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Der Traum

T.Vidoqu

Es war eine lauwarme und schwüle Sommernacht mitten im Juli; der Vollmond stand hoch am tiefschwarzen und wolkenlosen Himmel über der allmählich zur ruhekommenden Großstadtatmosphäre, und tauchte die Welt um sich herum in ein fahles und trübes Zwielicht.
Henry lag schlummernd auf dem dünnen, durchgeschwitzten Bettlaken und wälzte sich unruhig von der einen auf die andere Seite, wobei er gelegentlich heftig zusammenzuckte.
Nach den allabendlichen Streifzügen mit seiner Clique durch die Einkaufspassagen und Kaufhäuser der City. Der üblichen Standpauke seiner Mutter über das Übliche zu spät kommen und sein Schweigen zu Tisch und überhaupt. Einer kargen und schnellaufgewärmten Mahlzeit, die er sich wie jeden Abend aus einer Tiefkühlleckerei in Form von Essensrückständen, Pizza, Lasange oder Baguettes herrichtete, war das einzige Kind der Familie in sein unordentliches und miefendes Zimmer verschwunden. Die Mutter hatte dem seltsamen und schlonzigen Geschöpf, das sie Sohn nannte und das sie als Alte bezeichnete, wie jedes Mal noch lange hinterhergesehen, nachdem dieser sich aus der Küche gestohlen hatte. Wie nach jeder dieser kurzen und aufwühlenden Begegnungen der dritten Art; hatte sie noch eine halbe Stunde lang intensiv sinnierend versucht herauszufinden, von welchem Planeten das fremde Geschöpf wohl herstammen mochte, das gemeinsam mit ihr und ihrem Mann unter einem Dach lebte. Nachdem sie es wie jedes Mal resignierend aufgegeben hatte, war sie wie immer rasch ins Wohnzimmer gehastet, und versuchte eine Antwort auf ihre Fragen nach dem warum, in den zahlreichen Talkshows des Fernsehers zu ergründen.
Bei überlauter Musikbeschallung und einer rauchenden Zigarette hatte Henry versucht irgendetwas aus den Schulbüchern zu verstehen, die ihn in Wirklichkeit überhaupt nicht interessierten. Wie immer hatte seine Mutter dreimal ihren leichtroten Kopf durch Tür und Angel gesteckt und irgendetwas unverständliches gebrüllt, woraufhin Henry die Musik jedes Mal ein wenig leiser gedreht hatte. Zum Glück war sein Vater auf Nachtschicht, er hätte ihm die Musik beim erstenmal gleich ganz verboten. In dieser Hinsicht war die seltsame kleine Versorgerin da draußen in dem verlassenen Wohnzimmer ein ganzes Stück erträglicher.
Am nächsten Morgen konnte er zum Glück zwei Stunden länger schlafen, denn er hatte Berufsschule, dass einzig Gute an dem Drecksladen. Das zweite Gute das er in der Schule sah, war die Tatsache, dass er sich nicht in der Schlosserei der Metallbaufirma abrackern musste. Am liebsten hätte er sowieso die Ausbildung hingeworfen, doch das Theater, das er dann mit seinen Eltern bekommen würde, wollte er sich nicht antun, darauf hatte der Siebzehnjährige absolut keine Lust. Um seine Zukunft machte sich der Junge keinerlei Gedanken oder Sorgen, schiefgrinsend hatte er auf seinen kleinen hellblauen Rucksack geschaut, der auf dem Schreibtisch gleich zwischen Tower und Monitor seines PC’s stand. Es gab genügend andere Wege, um an ausreichendes Taschengeld zu gelangen. Und Morgen, gleich nach der Schule, würde er sie bei G-kesch beschreiten, dem größten und bekanntesten Auktionshaus für jeden erdenklichen Kram im Internet. Schnell hatte er mit wenigen Knopfdrücken die Weckzeit des Radioweckers umgeschaltet, er wollte ja schließlich nicht die zwei Stunden zusätzlichen Schlafs verlieren. Mit der rauchenden Zigarette zwischen den Fingern, und dem offenen Buch in der Hand hatte er sich dann entspannt zurück auf die weiche Matratze gelegt und war gedankenverloren eingeschlafen. Vater war ja zum Glück Hausratversichert, obgleich Henry nicht unbedingt wusste, dass ein solch merkwürdiges Wort überhaupt existierte oder gar ahnte, was es überhaupt bedeuten könnte.
*****
Henry erwachte plötzlich und bemerkte erschrocken, dass er auf einem durchsichtigen Glasboden stand. In größeren Abständen befanden sich milchfarbige und kapselähnliche Blasen unter der Glasplatte. Der Jugendliche sah sich neugierig nach allen Seiten um. Die ganze Welt in der er sich jetzt befand, füllte sich jetzt nach und nach mit den schwebenden Milchkapseln, die ordentlich über unzählige Etagen übereinander wie nebeneinander im freien Raum schwebten. Vorsichtig machte er einen Schritt auf dem unsichtbaren Boden nach vorne, der Glasboden unter seinen Füßen hielt stand, oder war der Boden doch nur Luft und er schwebte frei im Raum? Henry war sich nicht unbedingt sicher. Aus dem Nichts trat eine lichthelle Gestalt auf ihn zu, ein strohblonder Mann, der in etwa so alt wie sein Vater war.

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Infos

 

Titel: Der Traum
Autor(In): T.Vidoqu

Email:lordbillobix@aol.com
Veröffentlicht: X-zine (01.04.2003)

 

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