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Die Finsterbergmade

*gretel*

Die Finderbergmade

Dann schmolz die Wand, dann brach das Eisen
Und durch das Loch strömte das Licht
Ich spürte Lufthauch, einen leisen
Und hatte weithin klare Sicht

Heute muss das Eisen schmilzen
Heute wird der Gang gebohrt
Frisch hinweg mit Schimmelpilzen
Graben ist das Zauberwort!

Wo ein Weg, da ist ein Wille
Ihn zu pflügen durch den Berg
Höllenlärm wird aus der Stille
Das gehört zum Tageswerk!

Stollentrolle flieh’n in Scharen
Wenn ich meine Bahnen zieh
Sinn find ich nur den wahren
Aber fertig werd ich nie.

Einmal rechts und zweimal links
Das ist doch nicht schwer zu merken
Nur in diesem Takt gelingt’s
Schwer ist’s, ein Hemd zu stärken.

Dann schmolz die Wand, dann brach das Eisen
Und durch das Loch strömte das Licht
Ich spürte Lufthauch, einen leisen
Und hatte weithin klare Sicht.

... usw. ...


Finsterbergmade, die (Gedicht): achtundsiebzigstrophiges Gedicht des Dichters Hildegunst von Mythenmetz, gilt als der Höhepunkt der zamonsiche Rarlebewesendichtung. Mythenmetz versetzt sich in die Perspektive einer Finsterbergmade und beschreibt ihren mühevollen Weg durch das eisenhaltige Gestein mit größter Genauigkeit. In der letzten Strophe lässt Mythenmetz die Made den Weg ins Freie finden und gibt damit ihrem scheinbar sinnlosen Streben eine Bedeutung, was nahe legt, dass der Dichter mit seinem Reimwerk eine Hymne auf das arbeitsame Leben und den darin liegenden tieferen Sinn schaffen wollte.

Finsterbergmade, die: Die Finderbergmade (Mado inferioris) oder Eisenmade gehört, obwohl man es bei ihrem Äußeren kaum zu glauben vermag, zur Spezies der ordinären Erdwürmer, freilich auf einer sehr hohen Entwicklungsstufe. Einerseits findet man bei der Finsterbergmade biologische Anknüpfungspunkte zum primitiven Peitschwurm (Trichocephalus dispar), besonders was die Verdauungsorgane angeht, andererseits zum wesentlich komplizierter gebauten Röhrenwurm (Hermella komplexiensis). Finsterbergmaden erreichen in ausgewachsenem Stadium etwa die Größe eines spalthuftigen Steppeneinhorns und sind damit die drittgrößte Wurmspezies Zamoniens, nach dem niederzamonischen Kalkegel und dem Midgardwurm. Sie leben davon, sich durch die Metallschichten der Finsterberge (wo sie ausschließlich beheimatet sind) zu arbeiten und dabei alle Nährstoffe aus dem gefressenen Metall zu filtern und zu verdauen. Dafür sind sie mit außergewöhnlichen Kauwerkzeugen ausgestattet, um die sie jeder Raubsaurier beneiden würde. Die ausgewachsene Finderbergmade ist außerdem in der Lage, Feuer zu speien, ähnlich wie die Feuerwerksdrachen des brasilianischen Regenwaldes, mit denen sie aber nicht verwandt ist, denn Drachen gehören zur Familie der Knotenhäutler, während die Oberfläche der Finsterbergmade von poliert wirkender Struktur ist. Der ganze Körper der Finsterbergmade ist aus schimmerndem rostfreien Edelstahl. Sie hat einen Unterkiefer in Form einer Baggerschaufel, besetzt mit Diamantstaubbeflockten Sägezähnen. Anstelle von Armen hat die Made Kneifzangen, als Füße Stahlklauen, und ihr Hinterkörper läuft in eine riesige Metallfeile aus. Die mechanische Erscheinungsform der Eisenmade hat Anlass zu Spekulation gegeben, sie sei künstlichen Ursprungs und komme von einem anderen Planeten oder aus einer anderen Dimension. Wahrscheinlicher ist, dass die Natur ihren Weg gefunden hat, den lebensfeindlichen Verhältnissen der Finsterbergmade zu trotzen, indem sie ihnen eine einsenhaltige Daseinsform entgegenstellt. Die Finsterbergmade ist wahrscheinlich im Verhältnis zu ihrer Größe die stärkste Kreatur unseres Kontinents, ihre äußere Erscheinung gehört zum Beeindruckendsten, was Zamonien zu bieten hat, und ihre Gefährlichkeit lässt sich wohl nur noch mit der des allesfressenden Säbelzahnsauriers vergleichen, dem man sein Junges geraubt hat. Die Entstehung der Eisenmaden verliert sich im Sagenhaften, der Ursprung lässt sich wissenschaftlich nicht exakt bestimmen. Eine alte zamonsiche Sage behauptet, die ersten Eisenmaden seinen aus dem Kot von Riesenzyklopen gekrochen, eine andere, dass sie aus den Tränen von Gewitter-Göttern entstanden sind. Tatsache ist, dass die ersten Eisenmaden vor Hunderttausenden von Jahren angefangen haben müssen, die Finsterberge zu durchlöchern, so porös wie dieses Gebirge heute ist. Es gibt dafür noch keine wissenschaftliche Untermauerung, aber man vermutet bei den Eisenmaden neben der Wurmverwandtschaft eine familiäre Zugehörigkeit zur Termite: Die termitenbauähnliche Durchlöcherung der Finsterbergmade legt dies nahe.

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Infos

 

Titel: Die Finsterbergmade
Autor(In): *gretel*

Email:-gretel@web.de
Veröffentlicht: Berlin - Mitte (01.05.1990)

 

Links

 

Kurzgeschichte(n):
An einen alternden Laubwolf
Ensel&Krete

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