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Die Trolle

Hardebusch, Christoph

Rezension von jpk

Şten cal Dabrân hat eine Menge Probleme, die meisten davon sind unlösbar. Eines jedoch macht ihm akut zu schaffen: er sitzt in einem eisernen Käfig in einem finsteren Wald, dessen Bewohner die Eigenschaft haben, im Käfig sitzendes Futter genussvoll möglichst langsam zu verspeisen. Als Rebellenführer der Wlachaken, die seit zwei Jahrunderten von den Masriden in ihrer Freiheit unterdrückt werden, hat er damit gerechnet, irgendwann mit dem Schwert in der Hand zu fallen. Doch als Wildtierfutter zu enden, nachdem er von dem Tyrannen Zorpad verspottet wurde, das entsprach nicht seiner Vorstellung.

Dann wecken eiskalter Regen und Hagel ihn aus seinem Selbstmitleid und er blickt in die von Blitzen erhellte Dunkelheit der Nacht. Riesige Schatten schieben sich im Blitzgewitter in sein Gesichtfeld. Montröse Ungeheuer, wie Alpträume aus längst vergessenen Legenden und plötzlich erkennt er, was sich ihm nähert: Trolle!

Was mit dieser Einleitung beginnt ist eine komplexe und spannende Geschichte, um Freiheitskampf und immerwährenden Krieg, dessen jeweiliger Wert nur bedingt erahnt werden kann. Die Trolle benutzen den Menschen Şten als ihren Führer in der Welt der Oberfläche und möglicherweise als wandelnden Proviant. Aus der Zweckbeziehung entwickelt sich jedoch etwas wie Respekt, aber nie etwas ähnliches wie Freundschaft, denn die Trolle aus den Gebeinen der Erde kommend sind zu verschieden von den Menschen. Die Welt der Trolle ist brutal, für uns Menschen teilweise Ekel erregend, doch Falschheiten, Gier und Habsucht sind ihnen fremd. Ihre Moral ist eine gänzlich andere, auch für uns Leser unverständlich.

Die Geschichte spielt in dem Reich der Masriden, die jenes durch einen Eroberungsfeldzug sicherten. Die Masriden kamen mit ihrem Brudervolk, das die Handlanger stellt, über die Pässe und überraschten die heimischen Wlachaken mit militärischem Geschick und brutaler Gewalt. Bis auf ein unzugängliches Gebiet, dem Mardew, steht alles nun unter Masridischer Herrschaft. Wlachikis auch Ardoy genannt, wurde unter den Erben des ehemaligen Eroberers aufgeteilt, von denen der Führer Zorpad Dimminu, der mächtigste ist. Sein militärisches Geschick wird nur noch von seiner Brutalität übertroffen. So ist seine Hand nicht weit von der Krone entfernt, der Unterwerfung seiner beiden Bruderreiche. Doch zuvor muss er die Rebellen in seinem Rücken endgültig beseitigen und die Wlachaken für immer besiegen. Dazu sichert er sich durch Verrat, durch seine Priester der Sonne und durch ein neues Bündnis neue Möglichkeiten. Ein Verräter enttarnt die Rebellen, so dass ihm der verhasste Şten cal Dabrân und auch weitere in die Hände fielen. Die Priester der Sonne leisten mit ihrer Magie eine wertvolle Unterstützung für die neuen Bündnispartner: die Zwerge. Diese tauschen ihre überragenden Stahlprodukte gegen Sonnenmagie, um das Volk der Trolle für immer zu vernichten. Daher zog eine Gruppe der mutigsten und schlausten Trolle aus den Gebeinen der Erde an die Oberfläche, um die Menschen darin zu hindern, dem Kleinen Volk weiterhin zu helfen.

Entgegen dem Titel sind die Trolle nur Nebenfiguren in einem Roman, der durch seine Komplexität und seinen Umfang beeindruckt. Zwar ist der Roman nicht das erste/einzige Werk des Autors, ein Literaturprojekt mit dem Titel Sturmboten ist im Gange, doch das Prädikat "überaus gelungenes Debüt" ist hier absolut angebracht. Die Betitelung und die Rolle der Trolle als zweiten Schwerpunkt des Romans neben dem Freiheitskampf der Wlachaken und ihrem Helden, sind wohl dem Verlag zu Schulden. Dieser sah mit Sicherheit eine höhere Verwertbarkeit in der Fortsetzung der sehr erfolgreichen Reihe über die Völker der High Fantasy, die mit Stan Nicholls "Die Orks" begann und mit Markus Heitz "Die Zwerge" und Bernhard Hennen und James Sullivan "Die Elfen" fortgesetzt wurde.

Christoph Hardebusch besitzt als geübter und (vermutlich) talentierter Leiter von Rollenspielrunden ein nachgewiesenes Gefühl für den glaubhaften Ablauf von einzelnen Szenen aber auch großen Hintergrundereignissen. Somit kann er mühelos eine vielschichtige Geschichte erzählen, die andere Autoren vor ein Problem gestellt hätten. Dabei lässt er Protagonisten auf- und abtauchen (manchmal wortwörtlich), die zwar den einem oder anderem Klischee entsprechen aber durchweg glaubwürdig sind.

Ein klein wenig erinnert die Situation an die Genre-Romane der schottische Rebellion, wie sie von den Engländern genannt wird, oder der schottische Befreiungskrieg, wie der Konflikt von den Schotten eingestuft wird. Şten cal Dabrân bewegt sich irgendwo zwischen William Wallace und Robert Roy MacGregor, die Trolle irgendwo zwischen dem Muppet-Trommler Tier, Fozzy Bär und Stadler und Waldorf. Erstaunlicherweise überlässt der Autor die Wortkomik den Ungeheuern und schafft damit eine zusätzlich erhobene Augenbraue beim Leser, der sich eben noch über die ebenso brutalen wie barbarischen Sitten der Ungeheuer wunderte.

Es ist unwahrscheinlich, dass ein Romandebüt keine Schwächen aufweist, doch gleichzeitig hat man die Chance auf frische Ideen und gute Einfälle, die mit Talent umgesetzt wurden. Die Schwächen von Christoph Hardebusch liegen in den manchmal allzu menschelnden Trollen, den völlig überflüssigen Zwergenszenen, die zur Geschichte nichts beitragen, und der wenig gelungene Schlachtenszene, die sich in den verschiedenen Perspektiven und jede Fahrt verliert, statt dadurch an Dramatik zu gewinnen und Empfindungen zur erregen. Zwar verzichtet er lobenswert auf ein Show-Down Held gegen Übeltäter, aber die überzeugenden Darstellung einzelner Kämpfe, die im Buch zuvor gelungen waren, reichen nicht, um das Grauen und die Brutalität der Schlacht dem Leser nahe zu bringen. Die Zerstückelung der Schlacht in die Sorgen und Nöte einzelner Protagonisten lässt den Leser immer wieder erneut Anlauf nehmen, doch kaum hat er mit dem Emotionen und seiner Aufmerksamkeit umgeschaltet, wird erneut angesetzt und ein Grossteil der Dynamik und auch der Spannung ist verloren.

Deutlich überwiegen in dem Roman aber die Anteile, die mehr als nur gefällig sind. Die gut zu lesen, unterhaltsam und doch zu gleich auch fesselnd sind. Das Buch "Die Trolle" gehört zu denjenigen, die den geneigten Leser noch beschäftigen und nachdenken lassen, wenn man das Papier schon lange nicht mehr in der Hand hält. Ob hier ein weiterer neuer Stern am Fantasy Himmel der deutschsprachigen Literatur aufgegangen ist, wird die Zukunft zeigen. Der Anfang ist gemacht und er ist gut.

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Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(Entspannend)

Spannung:

(Fesselnd)

Brutalität:

(Brutal)

 

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Biographie von Christoph Hardebusch
Interview zu Roman: Die Trolle
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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Hardebusch, Christoph

Verlag:

Heyne, München

Erschienen:

Mar. 2006

Kritiker:

jpk

ISBN:

3-453-53237-6

ISBN(13):

978-3-4535-323-3

EAN:

9783453532373

Typ:

Taschenbuch

 

Christoph Hardebusch

 

Christoph Hardebusch, geboren 1974 in Lüdenscheid im Sauerland, studierte zunächst BWL in Marburg, wechselte dann jedoch zu Anglistik und Medienwissenschaft. In seiner Studienzeit begann der begeisterte Rollenspieler und Fantasy-Leser selbst zu schreiben [mehr]

 

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