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Cabaret - Tanz auf dem Vulkan

Fosse, Bob; Minnelli, Liza, Grey, Joel; Griem, Helmut; York, Michael; Berenson, Marisa; Wepper, Fritz; Kander, J

Rezension von Michael Matzer

Im Berlin des Jahres 1931 ist wirklich was los. Die amerikanische Sängerin Sally Bowles (Minelli) ist der gefeierte Star des Kit-kat-Clubs, einem Cabaret, wo man mit grell-aufreizenden Darbietungen für Stunden zu verdrängen sucht, was sich draußen auf der zwischen Kommunisten und braunen Schergen umkämpften Straße schon mit hässlichem Gesicht zeigt: die kommende Nazi-Diktatur.

Die lebenslustige Sally wohnt in einer Pension, die richtig mondän eingerichtet ist. Sie erlaubt dem gerade eingetroffenen Engländer Brian (York), in ihrem "Salon" seine privaten Nachhilfestunden in Englisch abzuhalten. Hier findet denn auch ein kleines Stelldichein deutscher Schauspieler statt: ralf Wolter ("Hadschi Halef Omar") als Pornoverleger, Fritz Wepper ("Derrick") als verkappter Jude und Ellen Spira im Hintergrund. Die Wepper-Figur verliebt sich in eine reiche Jüdin namens Landauer (Berenson) und gerät in eine persönliche Krise, die zum Glück einen guten Ausgang findet.

Viel weiter im Zentrum der Handlugn steht jedoch die Liebesaffäre zwischen Sally, die eine internationale Karriere anstrebt, und Brian, der irgendwann wieder zurück ins heimatliche Oxford (oder war´s Cambridge?) zurück will, um an der Uni zu lehren. Der integre Brian hat jedenfalls reichlich Gelegenheit, die laszivsten Auftritte Sallys im Cabaret zu bewundern.

Unter den Besuchern befindet sich auch ein stinkreicher Baron (Griem), der das Paar auf sein Schloss auf dem Bande einlädt. Brian, der Sally zwar liebt, aber nicht mit ihr das Bett teilt, kommt das ganze nicht geheuer vor, doch der Baron hegt nur beste Absichten. In einer turbulenten, aber dennoch geschmackvoll inszenierten Nacht kommt es zu mehreren intimen Begegnungen, von denen aber keine gezeigt wird. Sally jedenfalls ist anderntags überrascht, dass der Baron sowohl mit ihr als auch Brian geschlafen hat. Wenigstens darf sie ihren Pelzmantel behalten.

Als sie merkt, dass sie schwanger ist, gerät sie in einen tiefgreifenden Konflikt: Soll sie dem Kind ihre Karriere und ihre Freiheit opfern? Wer ist überhaupt der Vater? Schon bald rufen den Baron "dringende Geschäfte" nach Argentinien, und Brian wird von Nazi-Schergen zusammengeschlagen. Offenbar ist Deutschland kein gutes Pflaster mehr für eine Karriere...

Es wundervoll, dass die oben skizzierte Handlung den zahlreichen Cabaret-Szenen die Balance halten kann. Meist zieht eine der beiden Komponenten ja den Kürzeren. Die Darsteller tragen viel dazu bei, diese Handlung bedeutend erscheinen zu lassen, so dass sie nicht wie unnötiges Beiwerk aussieht. Dazu gehört sowohl ein Teil Komödie, als auch ein Teil Tragödie und sogar ein Quäntchen Grauen (als Nazis das Haus der jüdischen Landauers beschmieren).

Doch im Gedächtnis bleiben natürlich eher die fulminant inszenierten und choreografierten Cabaretszenen. Kein Geringerer als Bob Fosse, der Regisseur von "A Chorus Line" und "All that jazz" hat das Musical inszeniert. Hier stimmt einfach alles: Sound, Tanz, Gesang, Licht, Bewegung - man wähnt sich in einem dekadenten Wirbel von reiner Energie. Die Minelli und Joel Grey, der Conferencier (M.C. heißt das hier), sind einander ebenbürtig. In der Nummer "Money makes the world go round" ergänzen sie sich hervorragend, um komische Effekte zu erzielen. (Grey spielte Jahre später in "Remo - unbewaffnet und gefährlich" den kleinen Koreaner!) Dies findet seinen Ausgleich in einem etwas ernsteren Stück, das die Minelli singt. Sogar eine komisch vorgetragene Verteidigung der Juden ist zu sehen: der einzige politische Ton auf der Bühne selbst.

Das Einzige, was an dieser DVD enttäuscht, ist die Tatsache, dass echter Sound in DD 5.1 nur für das Original reserviert ist (schöne Ansteuerung des Subwoofers!) und das sich das Bonusmaterial in ellenlangen Texttafeln mit den Bio- und Filmografien der Hauptdarsteller und des Regisseurs erschöpft. Wenigstens einen Audiokommentar Liza Minellis oder Helmut Griems hätte die Silberscheibe verdient.

Der Film bietet zwei Stunden perfekte Unterhaltung. Im Vordergrund glänzen natürlich die optisch und akustisch faszinierenden Cabaretszenen, doch auch die übrige Handlung ist keineswegs ein Leichtgewicht. Es ist selten, dass beide teile so harmonisch im Gleichgewicht stehen. Lediglich die DVD-Ausstattung hätte weniger karg ausfallen können.

Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung von Michael Matzer. Neben seiner Arbeit in der Welt der Datenverarbeitung schreibt Micheal Matzer professionell Rezensionen im Bereich der phantastischen Medien.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Unterhaltsam)

Spannung:

(Unterhaltsam)

Brutalität:

(Vertretbar)

Ton:

(Gut)

Bild:

(Gut)

Menüs:

(Mittel)

Ausstattung:

(Geht so)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Fosse, Bob

Erschienen:

Jan. 1960

Kritiker:

Michael Matzer

Typ:

DVD

 

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