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Kettenhund

Wichert, Alexander

Rezension von goswin
Aus der Reihe "Shadowrun"

Der Roman "Kettenhund" ist im November 2005 im FanPro-Verlag erschienen und spielt im Shadowrun-Universum. Neben dem 250-seitigen Roman enthält das Buch auch die Kurzgeschichte "Resurrection" von Martina Noeth (in der Veröffentlichung "Shadowrun – Die 6. Welt" fälschlicherweise unvollständig veröffentlicht.). Wie bei FanPro üblich gibt es eine Kurzbiographie des Autors. Dazu findet man eine einseitige Danksagung an die Shadowrun-Crew, diverse Mitspieler und Testleser. Im Anschluss an den Roman gibt es ein Glossar, welches unbekannte Begriffe erläutert.
Das Cover zeigt zwei russische (Ork)Soldaten in Kampfanzügen vor einem nur skizzierten Hintergrund mit einer russischen Flagge. Wie auch der Titel ist das Cover sehr gut gelungen, weil Beides konkret mit der Handlung zu tun hat, ohne dabei zuviel zu verraten. Lob an FanPro.


Inhalt: Bevor der russische Kommando-Soldat der Armee den Rücken kehrt, nimmt er einen letzten Auftrag an. Zusammen mit seinem Kameraden Nikita und drei deutschen Söldnern soll er eine illegale Ladung nach Sibirien bringen.
Doch die Reise durch Russland ist schwieriger als gedacht…


Alex Wichert hat mit diesem Roman einmal mehr bewiesen, dass er es versteht, spannende Romane zu schreiben, in denen vor allem starke Charaktere im Mittelpunkt stehen.

Der Autor erzählt die Handlung aus der Sicht dreier Protagonisten. Dabei wechselt er in unregelmäßigen Abständen zwischen den Dreien, so dass man immer neue Blickwinkel kennen lernt, ohne dass etwas doppelt erzählt wird. Unterbrochen wird die Handlung zuweilen durch kursiv gedruckte Rückblicke.

Auch wenn solche Rückblicke im Allgemeinen das Geschehen unterbrechen und den Leser aus dem Lesefluss reißen, hat der Autor es hier verstanden, dieses "gefährliche" Stilmittel sehr geschickt einzusetzen. Er nutzt es, um den Hintergrund eines Protagonisten im Laufe der Handlung zu charakterisieren, der mit normalen Mitteln schlecht beschreibbar wäre.

Wobei Protagonist im Zusammenhang mit diesem Buch ein vielleicht zu positiv klingendes Wort ist. Die beiden Hauptakteure sind keineswegs strahlende Helden, im Gegenteil. Ihre positiven Charakterzüge halten sich sehr in Grenzen. Trotzdem hat der Autor es geschafft, diese sehr speziellen Akteure dem Leser nicht nur lebendig werden zu lassen, sondern auch nahe zu bringen. Obwohl die Akteure eigentlich wenig sympathisch sind, fiebert man mit ihnen mit und wünscht ihnen Erfolg. Jederzeit kann man nachvollziehen, warum die Figuren so handeln, wie sie es tun. Selbst dann, wenn sie ihre Prioritäten wechseln, bleibt der Leser dabei.
Grosses Lob an den Autor für diese außergewöhnlichen Figuren.

Weiteres Stilmittel ist die Sprache der Akteure. Diese ist szenenweise derb und nicht gerade jugendfrei. Das gilt sowohl für Dialoge und Gedanken als auch für die Beschreibungen von Gewaltszenen.
Trotzdem passt die Ausdrucksweise sehr gut zur Stimmung des Romans, düster, gewalttätig, verdorben. Ein anderer Sprachstil wäre vielleicht politisch korrekter, würde aber nicht zum Buch passen. Alex Wichert hat hier genau die richtige Sprache gefunden.

Die Handlung ist in sich schlüssig. Zwar beginnt die Story eher ruhig, doch unter dieser ruhigen Oberfläche ist die sich aufbauende Spannung spürbar. Als Leser weiß man genau, dass es so ruhig nicht weitergehen kann. So kommt es folgerichtig zu einigen Zwischenhöhepunkten, die den Handlungsverlauf überraschend ändern.
Der Autor versteht es, nicht nur brutale Gefechte, sondern z.B. auch Gedankengänge Einzelner oder Wortgefechte glaubhaft zu beschreiben und so aus verschiedenen Segmenten eine Handlung zu kreieren.

Dabei ist es ihm leider nicht gelungen, ein 100% stimmiges Finale zu schreiben. Zwar kann man dem Geschehen grob entnehmen, was passierte, doch den eigentlichen Höhepunkt spart der Autor aus. So bleibt der genaue Ausgang offen. Schade.
Ein solches Ende wird immer unzufriedene Leser erzeugen, auch wenn man auf der Homepage des Autors lesen kann, dass es wohl eine Fortsetzung geben wird.

Neben den rein stilistischen Merkmalen des Romans, dürfen aber auch einige andere Themen nicht zu kurz kommen.
Scheinbar ganz bewusst hat Alex Wichert die Story in Russland angesiedelt. Denn sehr ausführlich hat er das berühmte (oder berüchtigte?) Lebensgefühl der Russen eingefangen. Angefangen von der Weite des Landes, über einige Gebräuche (z.B. den typischen Tee) bis hin zur russischen Art, am eigenen Leiden gefallen zu finden. Ohne diese Aspekte der Handlung würde der Roman nicht funktionieren. Die Handlungen einiger Figuren sind nur im Zusammenhang mit diesen kulturellen Gesichtspunkten nachvollziehbar.
Der Autor hat es wunderbar verstanden die "leidende russische Seele" in seine Handlung einzuarbeiten.

Ein weiteres Thema, das der Autor aufgreift, sind die Zustände, unter denen wohl viele Rekruten in verschiedenen Armeen der Welt auch heutzutage leben. Unterdrückung, Gewalt, Missbrauch von Körper und Seele, kranke Vorstellungen von Ehre, Loyalität und Kameradschaft sind Themen, die in unserer Gesellschaft vielleicht weniger mit Soldaten bzw. Armeen verbunden werden. Trotzdem findet so etwas statt und der Autor nutzt diese Thematik. Aber nicht als billigen Aufhänger, mit dem man Leser fängt.
Nein, er zeigt anschaulich, wie es dazu kommt, dass Menschen sich diesem System ausliefern, dass gepeinigte Menschen selbst zu Peinigern werden, dass es aus diesem Kreislauf kaum ein Entkommen gibt. Entsprechende Szenen finden sich immer wieder im Roman und zeigen dem Leser, warum die Protagonisten sind wie sie sind.

Auch wenn man sich darüber streiten mag, ob diese schwierige Thematik in einen Fantasy-Roman gehört, der Autor zeigt zweifellos, dass man sich auch in diesem Genre mit diesen schwierigen Fragen auseinandersetzen kann, ohne dabei billige Gewaltszenarien zu produzieren. Die Verknüpfung jener Themen mit entsprechenden starken Charakteren und einer guten Handlung machen diesen Roman aus.


Alex Wichert hat einen starken Roman geschrieben, der neben ausgezeichneten Charakteren, einer guten und spannenden Handlung, vor allem sehr viel Tiefgang zeigt.
Dieses Buch sollte man sich nicht zur reinen Unterhaltung kaufen, sondern einplanen, sich ein paar unangenehme Gedanken über die menschliche Psyche machen zu müssen.
Sehr Empfehlenswert!

PS: Alex Wichert betreibt unter http://alexwichert.livejournal.com/ eine Art Tagebuch, in dem man viel zum "Kettenhund", aber auch zu anderen Projekten lesen kann. Außerdem kann man über diese Seite mit dem Autor in Kontakt treten.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Bluttriefend)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Deutschland

Serie:

Shadowrun

Autor:

Wichert, Alexander

Verlag:

Fantasy Productions, Erkrath

Erschienen:

Nov. 2005

Kritiker:

goswin

ISBN:

3-890-64548-8

ISBN(13):

978-3-8906-454-3

EAN:

9783890645483

Typ:

Taschenbuch

 

Alexander Wichert

 

Alexander Wichert wurde am 26.12.1975 und studierte Geschichte und Sprachwissenschaften. Seine Interessensschwerpunkte sind das Mittelalter und die Mittelalterrezeption. Sein angestrebtes Berufsziel ist es, freier Schriftsteller zu werden. Zusammen mit Christian Thon debütierte er im November 2001 mit seiner Veröffentlichung des ersten Fantasy-Romans "Blakharons Fluch" bei Heyne [mehr]

 

Shadowrun

 

Shadowrun war das erste Rollenspiel, bei dem es gelungen war, Magie mit einer Zukunftstechnologie einigermaßen plausibel zu verheiraten. Das Rollenspiel spielt in einer nahen alternativen Zukunft (inzwischen Gegenwart) und beschreibt ein Szenario, in welchem Chaos und multinationale Konzerne die Welt bestimmen [mehr]

 

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