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Pluto über Berlin

Hummel, Hedi

Rezension von Maggy

Der Astrologe Ramon Kretschmar lädt einen auserwählten Kreis zu einer Abendverabredung ein. Die Auswahl seiner Gäste lässt zunächst keinen tieferen Sinn hinter der Veranstaltung erkennen, jeder Gast kommt aus einem anderen öffentlichen Bereich: Herr Pflambert aus der Politik, Frau Rosta aus dem Pressewesen, Herr Sommerau ist Vertreter der Kunstszene, Frau Thalberg führt eine Boutique und steht stellvertretend für die Modewelt und schließlich Frau Samuel, die den Wissenschaftsbereich abdeckt. Der Abend verläuft relativ unspektakulär und danach verbringen einige Gäste noch kurze Zeit miteinander, woran sie sich später nicht unbedingt gerne erinnern. Die sexuellen Aktivitäten des Herrn Pflambert in dieser Nacht verbirgt die Autorin hinter einem dicken „zensiert“, was vielleicht in den prüden 50er Jahren des letzten Jahrhunderts witzig gewesen wäre, heutzutage aber lediglich ein leichtes Stirnrunzeln hervorruft.

Nach dieser Abendeinladung liegt der Astrologe erschlagen in seiner Wohnung und die Kommissarin Dornbusch rackert sich gemeinsam mit ihrem Assistenten Huttson durch den Fall. Dabei geht es relativ klassisch zu und es gibt einige nette Anlehnungen an historische Detektivfiguren: Kommissarin Dornbusch raucht wie Sherlock Holmes Pfeife und ihre Arbeitsmethoden sind nicht rein deduktiv, aber nicht minder ungewöhnlich, etwa wenn sie sich nächtens in die Wohnung des Ermordeten zurückzieht. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf den Abend vor dem Mord und alle Gäste des Abends sind verdächtig, da relativ schnell feststeht, dass die Teilnehmer an der spirituellen Runde nicht freiwillig an eine Weiterführung dieser Abende dachten, sondern zur Mitarbeit von Kretschmar erpresst wurden. Nun wird im Sinne von Agatha Christie eine überschaubare Anzahl an Verdächtigen durch die Mangel genommen. Diese Anlehnungen an klassische Whodunit-Krimis und die augenzwinkernde Ironie sind herausragende Merkmale des Romans. Mit der leicht verschrobenen, pfeifenrauchenden Kommissarin Dornbusch hat die Autorin eine interessante Romanfigur geschaffen. Auch die Figur des Musikstudents Frédéric, der fieberhaft ein Delacroix-Gemälde sucht, ist sehr gelungen. Die Szenen des Romans wechseln schnell, dennoch bleiben die vielen Handlungsstränge der crime story und die Geschichte um den Musikstudenten nachvollziehbar.

Auffallend ist, dass der Debütroman gar nicht oder unzureichend lektoriert wurde, denn eine stilistisch Überarbeitung hätte dem Roman gut getan. Die Sprache wirkt selbstverliebt und viele ironische Anstriche ermüden somit bald. Negativ fällt die inflationäre Benutzung des Passivs auf. Ferner werden häufig Einschübe und Nebensätze durch sogenannte - „Spiegelstriche“ – eingerahmt, die für meinen Geschmack in einem Roman wenig bis gar nichts zu suchen haben.

Die Figuren des Romans werden nicht konstant mit einem Namen benannt, sondern mal mit Nachnamen, mal mit Vornamen, mal mit Beruf. Sicher wollte die Autorin damit Wiederholungen vermeiden, doch wird das Lesen dadurch anstrengend, wenn in einem Absatz die gleiche Figur mit Frau Dornbusch, Irmelin, Frau Kommissarin oder als letztes Hilfsmittel einfach mit Madame bezeichnet wird. Die Rotation der Personenbezeichnungen ist ebenso überflüssig wie störend, ein einfaches „sie“ hatte hier und da auch genügt.

Die Autorin überhäuft die Leser mit Zitaten, oft von Musil, über den sie ihre Magisterarbeit geschrieben hat. Darin zeigt sich, dass viel Herzblut in dem Roman steckt, was auch durch die Sprache deutlich wird, sicherlich hätte ein wenig mehr Distanz zum eigenen Werk gut getan, was der Autorin bei ihrem nächsten Werk gelingen möge.

Leseprobe:
Ein Meter vor dem ungewohnten Fremdkörper in Kretschmars Mausoleum – Kommissarin Dornbusch im Schneidersitz – ragte eine Kerze in den ansonsten dunklen Raum und verzerrte die Silhouetten der Einrichtung aufs expressionistischste. Für Irmelin stellt sich alsbald die bange Frage, wann es ihr Angst-vor-der-Dunkelheit-Syndrom gestattete, den entscheidenden Lufthauch zur Kerze zu schicken.
Es gelang. So saß sie denn kerzengerade und furchtbar verkrampft, aber innerlich aufnahmebereit für die große Erleuchtung, die sie erretten würde aus jedweder Finsternis. Doch die erhoffte Illumination ließ leider auf sich warten...
Frau Dornbusch hatte schon annähernd zwei Stunden in dieser Stellung – nicht gänzlich bewegungslos, aber immerhin – ausgeharrt und wollte sich schon als kleiner Buddha fühlen als es knackte. Zunächst wurde dieses ordinär weltliche Geräusch auf eine Trübung des Wahrnehmungsvermögens, begünstigt durch den derzeitigen Ausnahmezustand, zurückgeführt. Aber es wiederholte sich in aufdringlicher Weise, und fast sollte man meinen, es sei eine Nuance vernehmlicher geworden... (S. 66)

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Wertung

 

Gesamt:

(Geht so)

Anspruch:

(Anstrengend)

Spannung:

(Unterhaltsam)

Brutalität:

(keine Angabe)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Deutschland, Berlin

Zeit:

2000er

Autor:

Hummel, Hedi

Verlag:

Alkyon, Weissach

Erschienen:

Jan. 2004

Kritiker:

Maggy

ISBN:

3-933-29278-6

ISBN(13):

978-3-9332-927-10

EAN:

97839332927810

Typ:

Taschenbuch

 

Hedi Hummel

 

Studium der Literatur- und Theaterwissenschaft in Berlin. Magister-Arbeit über Musils Mythenverarbeitung: „Der verhinderte Dionysos”. Mitarbeit am „Werkführer durch die utopisch-phantastische Literatur” (Meitingen, 1989) und an der Anthologie „Seitensprünge” der Autorengruppe an der FH Wiesbaden, 2000. Beruf: freie Redakteurin. [mehr]

 

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