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Die Stimme der Toten

Adams, Jane

Rezension von Phoenix
Aus der Reihe "Naomi Blake"

„Die Stimme der Toten“ ist der erste Band einer neuen Krimireihe von Jane Adams.

Protagonistin in Jane Adams´ „Die Stimme der Toten“ ist die Ex-Polizistin Naomi Blake, die bei einem schweren Unfall ihr Augenlicht verloren hat. Von ihrem Freund und ehemaligen Arbeitskollegen Alec erfährt Naomi immer noch ab und an Neuigkeiten über verschiedene Ermittlungen. So auch dieses Mal, als sie persönlich von einem Fall betroffen ist: Es geht um Helen, ihre beste Freundin aus Kindertagen, die im Alter von zwölf Jahren spurlos verschwunden ist. Nach einem Streit mit Naomi machte sie sich allein auf den Weg zur Schule und kam nie dort an. Nun, 23 Jahre später, ist auf einmal ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Naomi ist entsetzt, als sie erfährt, wer der Mörder sein soll: ein anderer Polizist, ihr mittlerweile verstorbener Mentor Joe Jackson. In einem alten Brief, den seine Tochter kürzlich in seinen Unterlagen gefunden hat, gesteht Jackson die Tat und beschreibt den Ort, an dem er Helen vergraben hat. Auch als die Leiche tatsächlich dort gefunden wird, kann Naomi nicht an die Schuld des Mannes glauben, der wie ein Vater für sie war. Mit Alecs Hilfe beginnt sie zu recherchieren. Dann wird am Strand in der Nähe von Norfolk die Leiche eines sechsjährigen Mädchens gefunden. Bald gibt es die ersten Hinweise, dass die beiden Fälle zusammenhängen könnten...

Die Grundidee zu „Die Stimme der Toten“ ist wirklich nicht schlecht. Aus der Idee von einer spurlos verschwundenen Person, die nach vielen Jahren (ob tot oder lebendig) noch einmal ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird, haben einige Krimiautoren schon äußerst spannende Geschichten gestrickt. Auch die Charaktere, vor allem die blinde Ex-Polizistin, erschienen mir nach Lektüre des Klappentextes vielversprechend. Leider konnte der Roman meine zugegebenermaßen hohen Erwartungen jedoch nicht im Ansatz erfüllen.
Dies liegt zum einen daran, dass es Jane Adams nicht gelingt, ihren Figuren Tiefe, Glaubwürdigkeit und vor allem Leben zu verleihen. Ohne nennenswerte innere oder zwischenmenschliche Konflikte, die Figuren bekanntermaßen für den Leser interessant werden lassen, plätschert die Geschichte 288 Seiten lang vor sich hin. Die blinde Protagonistin lebt in einer erfüllten Partnerschaft und kommt bestens mit ihrer Behinderung und ihrer veränderten Lebenssituation zurecht, obwohl ihr Unfall erst zwei Jahre her ist – davon abgesehen, dass ich persönlich dies nach so kurzer Zeit für unrealistisch halte, hat die Autorin sich selbst damit interessante Konfliktmöglichkeiten und Storyansätze von vornherein verbaut. Eine verbitterte, unglückliche oder zumindest nicht immer zufriedene Ex-Polizistin mit Beziehungsproblemen hätte auf den Leser zwar möglicherweise klischeehafter, aber zweifellos spannender und emotionaler gewirkt als dieses eindimensionale Vorzeige-Unfallopfer. So findet allerdings überhaupt keine Charakterentwicklung statt. Auch auf die Eifersüchteleien zwischen dem Freund der Hauptfigur und seinem Nebenbuhler, dem Bruder des Mordopfers, geht Adams nur sehr zaghaft ganz am Rande ein, so dass auch dieser Plotstrang ziemlich schnell im Sande verläuft. Adams´ lahme Charakterbeschreibungen und das völlige Fehlen von Konfliktpotenzial zwischen den einzelnen Figuren (vom Mörder mal abgesehen) erweckten in mir mehr als einmal den Wunsch, der Autorin ein Buch über Kreatives Schreiben für Anfänger in die Hand zu drücken. An dieser Stelle mag der eher pragmatisch veranlagte Krimileser einwenden, dass nicht jeder Kriminalroman tiefenpsychologische Charakteranalysen a la Elizabeth George benötigt, solange die Krimihandlung gut ist. Dem kann ich durchaus (wenn auch widerwillig) zustimmen, leider ist auch die Story dieses Romans mehr als nur dünn. Spannung sucht man fast 300 Seiten lang vergeblich, selbst der (für meinen Geschmack reichlich aufgesetzt wirkende) Showdown am Schluss brachte mich zum Gähnen. Das Ende lässt mehr Fragen offen als es beantwortet, und der im Nachhinein aufkommende Verdacht einer übernatürlichen bzw. mystischen Lösung wirkt deplatziert und albern. Ein Autor sollte sich schon entscheiden, ob er einen klassischen Krimi oder eine Mystery-Geistergeschichte schreiben möchte und dies dann auch konsequent umsetzen. Dieser Versuch der Mischung aus beiden Genres ist jedenfalls gründlich misslungen.
Auch der Schreibstil der Autorin trägt in keinster Weise zu einer Verbesserung dieses Romans bei. Ihre Schilderungen wirken lustlos und nichtssagend, vermutlich sogar für Leser, die auf Metaphern und andere Stilmittel gern verzichten und eine rein „gegenständliche“ Schilderung bevorzugen. Ähnliches gilt für die Dialoge. Vom oben schon mehrmals erwähnten Fehlen von Konflikt mal ganz abgesehen: Jane Adams gelingt es einfach nicht, eine individuelle (und glaubwürdige) Sprache für ihre Charaktere zu entwickeln, die diese von den anderen Figuren abhebt. Beispielsweise wird der 15jährige Neffe des Mordopfers nicht nur wie ein Achtjähriger dargestellt, sondern redet auch noch so, wie sich jemand von Mitte 60 möglicherweise einen 15jährigen vorstellt... Insgesamt fehlt den Dialogen an Würze und Pep, sie lesen sich in etwa so interessant wie die Transkription eines morgendlichen Gesprächs an der Käsetheke.

Fazit: „Die Stimme der Toten“ konnte mich nicht überzeugen. Flache Charaktere, mit denen man nicht mitfiebert, kaum Spannung, ein dürftiger Schreibstil und nicht zuletzt eine wenig überzeugende „Auflösung“ (die diesen Namen eigentlich nicht verdient) machen jedes Lesevergnügen schnell zunichte.

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Wertung

 

Gesamt:

(Mies)

Anspruch:

(Reiselektüre)

Spannung:

(Langweilig)

Brutalität:

(Jugendfrei)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

England

Zeit:

Gegenwart

Serie:

Naomi Blake

Autor:

Adams, Jane

Verlag:

Goldmann, München

Erschienen:

Nov. 2004

Kritiker:

Phoenix

ISBN:

3-442-45708-4

ISBN(13):

978-3-4424-570-3

EAN:

9783442457083

Typ:

Taschenbuch

 

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