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Das neunte Opfer

Burke, Jan

Rezension von Anna Veronica Wutschel

Jan Burke hat sich mit "Das neunte Opfer" von ihrer Erfolgs-Serie um die Reporterin Irene Kelly (nicht verabschiedet!, sondern) eine Auszeit genommen. Leser der Irene Kelly-Serie wissen, dass Jan Burke nicht nur über erzählerische Routine verfügt, sondern auch mit Gespür für Tempo und Spannung Atmosphäre kreieren kann, ohne die ein guter Krimi nicht auskommt. Von den vertrauten Figuren Abstand zu gewinnen, um neue Charaktere, andere Schauplätze und Hintergründe zu erschaffen, kann eine angenehme Abwechslung für Autoren sein. Eine Herausforderung, die zugleich mit dem Risiko verbunden ist, ob das unbekannte Neue denn auch bei dem Leser ankommt.
Leider ist mit "Das neunte Opfer" anstelle von etwas Anderem ein kräftiges déjà-vu Lese-Erlebnis entstanden. Ich habe mich an Milieus, die J.D. Robb in ihren Zukunfts-Krimis beschreibt, erinnert gefühlt, oder z.B. auch an einige (der schwächeren) Texte von Iris Johansen. Und irgendwie ruft die Ausgangssituation in "Das neunte Opfer" Burkes eigenen Krimi "Böse Buben" ins Gedächtnis.

So sind es hier andere böse Buben, die einen Mafia-Boss ermorden und am Tatort die Zahl neun hinterlassen. Spätestens, wenn die Ermittler zu Leiche Nummer acht und sieben gerufen werden, wird deutlich, dass sich die Täter nach der FBI-Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher richten. Mit weiteren Morden ist also zu rechnen. Und den Ermittlern bieten sich kaum Anhaltspunkte. Wer verfügt über effektivere Mittel als das FBI und welche Ziele sollte dieser Täter verfolgen? Lediglich die Inszenierung der Leichen erinnert Detective Alex Brandon an einen früheren Fall. Ein Serientäter hatte Frauen auf ähnliche Weise gefoltert und ermordet, wobei er seinen Stiefsohn zur Komplizenschaft gezwungen hatte. Sollte dieser Junge nach Jahren und mit anderen Motiven die Vorgehensweise seines Stiefvaters übernommen haben? Schließlich kam der damals Vierzehnjährige, nachdem er seinen Peiniger umgebracht hatte, nicht ins Gefängnis, sondern dank des Vermögens seiner Großmutter in eine Art Elite-Erziehungs-Anstalt. Die Privatschule Sedgewick gilt als die letzte Möglichkeit für die Super-Reichen, ihre missratenen Kinder vor dem Knast zu bewahren. Kriminelle Lehrjahre, in denen psychopathische Jugendliche auf misshandelte, leicht manipulierbare Charaktere treffen. Und bald sieht es so aus, als habe sich damals - an diesem Hort krimineller Energie - eine Gruppe zusammengefunden, die Jahre später allesamt ausgestattet mit Millionen-Erbschaften und einer (angeblich) überdurchschnittlichen Intelligenz problemlos ein für sie amüsant tödliches Spiel arrangiert haben könne. Allerdings ist alles wesentlich komplizierter, denn uralte Rivalitäten bestimmen das perfide Spiel. Und wenn es eigentlich um die Gunst einer atemberaubenden Frau und um eine Menge Ego-Probleme geht, ist ein höchst dramatisches Ende vorprogrammiert.

Die Idee, die vom FBI meistgesuchten Verbrecher von superreichen Kriminellen töten zu lassen, ist nicht unbedingt grandios originell. Dennoch hätte sie Stoff zu einem brutal-spannenden, psychologisch durchdachten Thriller bieten können: Eine Organisation, deren hochintelligenter Kopf dem FBI immer um mehrere Nasenlängen voraus ist, der mit seinen verschiedenen Widersachern amüsante Spielchen treibt und den Zuspruch, den seine Taten in der Öffentlichkeit genießen, zu nutzen weiß. Doch Burke konzentriert sich weder besonders auf die Täter noch auf die Ermittler. Anders gesagt - fast alle Figuren haben eine Menge privater Probleme, und so verläuft sich die Handlung letztlich eher in melodramatischem Seifenopernstil. Den unzähligen psychologischen Ansätzen, die die Story bietet, wird äußerst oberflächlich nachgegangen, und die wahren Motive der Täter wirken letztlich wenig überzeugend. Jan Burke verlässt sich lieber auf die Ingredienzien vieler Bestseller: spektakuläre Morde, Ermittler mit privaten Problemen, Täter mit Komplexen und dem Charme von Kindern und Hunden! Und natürlich auf ihre eigene schriftstellerische Souveränität, mit der sie die unzähligen Personen und Orte geschickt zu einer Geschichte zu bündeln weiß. Und das gelingt dann doch! Und wider besseren Wissens muss ich zugeben, dass ich "Das neunte Opfer" gerne und sehr zügig gelesen habe. Sollte der Text wie geplant (laut Internet-Seite der Autorin) verfilmt werden, könnte ein Film entstehen, der auf gleiche Weise wie die Lektüre unterhält: man werfe die Logik über Bord, sperre den Alltag aus und überlasse sich bei Popcorn und Bier einem raschen Ritt durch eine Fiktion, die man nicht wirklich ernst nehmen kann, die einem aber auf angenehme Weise die Zeit vertreibt. Alles schon gelesen - alles schon gesehen. Wen das aber nicht abschreckt, der wird den Kauf des Buches bestimmt nicht bereuen.

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Wertung

 

Gesamt:

(Mittel)

Anspruch:

(Reiselektüre)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Brutal)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

USA

Zeit:

Gegenwart

Autor:

Burke, Jan

Verlag:

Goldmann, München

Erschienen:

Jul. 2004

Kritiker:

Anna Veronica Wutschel

ISBN:

3-442-45710-6

ISBN(13):

978-3-4424-571-6

EAN:

9783442457106

Typ:

Taschenbuch

 

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