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Ertränkt alle Hunde

Adcock, Thomas

Rezension von Claus Kerkhoff
Aus der Reihe "Neil Hockaday"

Thomas Adcock, 1947 in Detroit geboren und in New York City aufgewachsen, war Polizeireporter und Lokalberichterstatter, bevor er seine schriftstellerische Karriere begann. Grundlage seines ersten Romans, "Precinct 19", war ein Jahr, das er mit New Yorker Polizisten verbrachte. Danach begann er eine Serie um einen Detective der SCUM-Patrol, Neil Hockaday, zu schreiben, durch die der Autor zum Chronisten der dunklen Seiten New York Citys wurde.

Der erste Neil Hockaday-Roman „Hell´s Kitchen (Hell´s Kitchen, 1989)“ führt uns in das gleichnamige New Yorker Stadtviertel, das früher das anständige Slum der irischen Einwanderer war, aber sich in den Zeiten der Reaganomic stark verändert hat. Jetzt heißt es Clinton und ist für die jungen Erfolgreichen das „In“-Stadtviertel. Die Yuppies schätzen den Charakter des Viertels und sind bereit dafür hohe Mieten zu zahlen. Die Verlierer der Reaganomic, die Alteingesessenen, werden dagegen langsam an den sozialen Rand gedrängt. Für sie behält das Stadtviertel seinen alten Namen.
Hell´s Kitchen ist auch das Revier von Neil Hockaday, dem Detective der SCUM-Patrol. Hier ist Hockaday aufgewachsen und nach seiner Scheidung kehrt er dorthin wieder zurück. Hockaday erhält den Auftrag einen schwarzen Prediger zu beschützen, der von Unbekannten bedroht wird. Als kurz hintereinander ein Informant und ein verdächtiger Mieteintreiber ermordet werden, erkennt Hockaday die unheilvolle Verbindung zwischen diesen Fällen – fast zu spät.
Hell´s Kitchen ist eine detaillierte Millieuschilderung. Thomas Adcock lässt sich Zeit für Orte, Charaktere und die Entwicklung des Plots. Momente der Ruhe und der Reflexion wechseln ab mit Szenen knisternder, atemloser Spannung. Meisterhaft gelingt es Thomas Adcock den Leser in seinen Bann zu ziehen - bis hin zu einem furiosen und überraschenden Finale.

Feuer und Schwefel (Dark Maze, 1991)“ ist nicht nur der Titel des zweiten Neil Hockaday-Krimis, sondern zugleich der Name eines alten Gebäudes im New Yorker Stadtteil Coney Island. Seine Fassade ziert das Meisterwerk eines genial-verrückten Malers, der sich Picasso nennt. In der Vergangenheit hatte Picasso geniale Wandgemälde für die Vergnügungsparks auf Coney Island geschaffen, aber seine Kunst ist heute nicht mehr gefragt. So vegetiert Picasso als Penner und Gelegenheitsmaler dahin.
„Hock“, so nennen Neil Hockaday Freund und Feind, hat einen harten Job im New Yorker Police Departement. Als Mitglied der SCUM-Patrol soll er den sozialen Rinnstein sauber halten. Eines Abends trifft Hock Picasso und dieser erzählt ihm von einem seiner Gemälde in dessen Lieblingskneipe. Wenig später wird die darauf porträtierte Frau in eben dieser Kneipe erschossen. Damit beginnt eine Serie von Morden nach dem Vorbild von Gemälden, die Picasso anfertigte.
Wieder gelingt Thomas Adcock eine außergewöhnliche Balance zwischen detaillierter Millieuschilderung, Momenten der Ruhe und Szenen knisternder, atemloser Spannung. Hock als Ein-Mann-Mordkommission entwirrt, in dem fieberhaftem Bemühen weitere Morde zu verhindern, die Lebensgeschichte Picassos, die eine Geschichte der Missachtung und des Scheiterns ist.
Thomas Adcock erhielt für diesen Roman 1992 den renommierten Edgar Allan Poe Awards (Best Paperback Original).

Im dritten Neil Hockaday-Roman „Ertränkt alle Hunde (Drown all the dogs, 1994)“ lernt Neil Hockaday Irland, das Land seiner Vorfahren, kennen, und Adcock findet zu seinem zentralen Thema, das bereits die beiden ersten Neil Hockaday-Krimis durchzog: „Wer bin ich ?“, „Wo komme ich her ?“ und „Was macht mich zu der Person, die ich bin ?“
Grund für Hockadays Reise nach Irland ist die Nachricht, dass sein Onkel im Sterben liegt. Dieser ist der einzige noch lebende Blutsverwandte, der Hockadays Fragen nach seinen schon früh verstorbenen Vater beantworten kann. Bereits bei der Ankunft entgehen seine Freundin Ruby und er nur knapp einem Attentat, und zur selben Zeit kommt es in New York zu einer Reihe von Morden und Selbstmorden, deren Ursache in Hockadays Reise nach Irland begründet ist. Denn Hockadays Suche nach seinem Vater führt ihn in die blutige und tragische Geschichte Irlands hinein. Hockaday muss erkennen, das die Geschichte seiner Familie untrennbar mit der Geschichte Irlands verknüpft ist. Und diese ist eine tragische Verkettung von Mord, Verrat und Terror. Am Ende kann Hockaday froh sein, wenn Ruby und er mit dem Leben davon kommen.
Ertränkt alle Hunde“ ist Adcocks bester, weil reifster Roman. Adcock besitzt die Fähigkeit, sich in seine Figuren bis ins stimmige Detail einzufühlen. Jede einzelne Figur trägt Widersprüche in sich, die ihr Verhalten stärker bestimmen, als es die Umwelt selbst vermag. Adcock meidet Simplifizierungen, er gibt seinen Figuren und damit auch deren unterschiedliche Positionen eine charakteristische Stimme und öffnet damit den Blick auf das Wesentliche. Adcock urteilt und lässt auch seine Figuren urteilen, aber er stellt immer wieder klar, dass die Geschichte Irlands vor allem eine Geschichte der Menschen ist und bleibt.

Mit Neil Hockaday hat Thomas Adcock einen Charakter geschaffen, der Detektiv und "Historiker" zugleich ist. Berufsbedingt lernt Hock bei seinen Fällen die dunklen Seiten und Ecken New York Citys kennen. Doch zugleich kennt Hock die Geschichte und das Millieu seines Stadtviertels. Er spürt noch die Vibrationen früherer Zeiten und gleicht immer wieder gestern und heute ab. Er behält das Vergehende im Gedächtnis, registriert die Veränderungen und erfährt während seiner Arbeit, wie Menschen durch die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen, die durch die Reaganomic ausgelöst wurden, entwurzelt und ihre Lebensperspektiven zerstört werden. Hockaday wird zum Chronisten dieser Veränderungen und beschreibt, wie Lebensraum (Stadt) und Menschen sich wechselseitig durchdringen. New York City ist für Adcock nicht nur einfach Schauplatz, sondern ein lebender Organismus. Er registriert die veränderte Vitalität, die Metamorphosen und sich entwickelnden Metastasen. Adcock spürt die kommenden Umwälzungen und hält sie in seinen Neil Hockaday-Romanen fest. Thomas Adcocks Romane sind ohne New York City nicht denkbar, und in seinen Neil Hockaday-Romanen spiegelt sich New York City.

Thomas Adcock hat noch drei weitere Romane mit Neil Hockaday als Serienfigur verfasst. Der vierte Roman „Devil´s Heaven (1995)“ liegt in deutscher Übersetzung vor („Der Himmel des Teufels“), die beiden anderen - „Thrown-Away Child (1996)“ und „Grief Street (1998)“ - sind nicht auf deutsch erschienen.
Leider sind alle auf deutsch erschienenen Neil Hockaday-Romane out-of-print, aber mit etwas Glück sind sie in Antiquariaten oder Online-Auktionshäusern erhältlich.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Fesselnd)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

New York City

Zeit:

90er Jahre

Serie:

Neil Hockaday

Autor:

Adcock, Thomas

Verlag:

Piper, München

Erschienen:

Jan. 1999

Kritiker:

Claus Kerkhoff

ISBN:

3-492-25676-7

ISBN(13):

978-3-4922-567-6

EAN:

9783492256766

Typ:

Taschenbuch

 

Thomas Adcock

 

Thomas Adcock, geboren 1947, wuchs in Detroit und New York City auf. Er begann seine journalistische Laufbahn bei der Detroit Free Press, wo er Polizeireporter und Lokalberichterstatter war. Später arbeitete er u.a. für die New York Times und den Minneapolis Tribune. Heute schreibt er Rezensionen für die New York Times und andere Zeitungen [mehr]

 

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