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Hallucigenia

Barron, Laird

Rezension von Cronn

Im Bereich der unheimlichen Phantastik wird heute in Deutschland bemerkenswert wenig veröffentlicht. Die großen Verlage scheuen das Label „Horror“, ersetzen es durch andere und verwässern den Begriff. Dort erscheinen dann vor allen Dingen Romane.
Doch wie steht es um den Bereich, aus dem die Phantastik entstand, die Kurzgeschichte? Hier beherrschen Anthologien verschiedener Autoren das Bild. Das ist erfreulich, kann man auf diese Weise neue Autoren für sich entdecken. Doch was ist, sobald einer der Autoren eine eigene Storysammlung vorlegen möchte? Hier herrscht weitgehend Ratlosigkeit. Es gibt wenige Autoren, deren Geschichtensammlungen in Verlagen veröffentlicht werden. Oftmals fehlt es an verlegerischem Mut.
Da ist es umso erfreulicher, dass der Golkonda-Verlag sich nicht scheut, eine Horror-Storysammlung herauszugeben. Diese wurde verfasst von Laird Barron, der dem anglo-amerikanischem Publikationsbereich entstammt.
Doch wie gelungen ist die Sammlung „Hallucigenia“? Das soll die nachfolgende Rezension klären.

Inhalt:
In „Hallucigenia“ sind vier Erzählungen enthalten, wobei eine der klassischen Form der Kurzgeschichte zuzurechnen ist. Die anderen haben bereits eine Länge, die sie der Novellenform annähert.
Ein etwas kurzes Vorwort stellt den Autor vor und setzt ihn in Beziehung zu anderen Größen der Phantastik, vor allem Lovecraft und dessen Mythos werden hier genannt. Die Parallelen sind auffällig und dennoch ist Barron keineswegs ein Epigone, wie die Novellen und Erzählungen zeigen.
Den Auftakt gestaltet die titelgebende Novelle „Hallucigenia“: Ein Millionär und seine Frau geraten durch eine Autopanne im Hinterland von Washington State auf ein Ackerland, das ein bizarres Geheimnis birgt. In einer Scheune geraten beide in große Schwierigkeiten. Doch selbst danach sind die Probleme noch nicht zu Ende. Ganz im Gegenteil.
„Hallucigenia“ gefällt als Novelle durch ihren Aufbau. Mehr und mehr Geheimnisse werden aufgedeckt im Laufe der Handlung. Am Ende mündet diese allerdings nach einem interessanten Ausflug in ein Gefängnis, der vollkommen überzeugen kann, leider in allzu bekannter lovecraftscher Manier. Zudem ist die Geschichte für den dargebotenen Inhalt zu lang. Eine Straffung hätte der knapp 90 Seiten langen Novelle gut getan. So verbleibt eine gelungene Erzählung im Kopf, die aber hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt.
„Die Prozession des schwarzen Faultiers“ hat einen starken Titel, der sofort im Gedächtnis bleibt. Die Novelle handelt von einem Wirtschaftsagenten, der für eine Firma in Hong Kong diverse Unregelmäßigkeiten recherchieren soll. Die Geschichte entfaltet ein Seltsamkeits-Gefühl, das immer bizarrer wird. Leider verliert sich das gegen Ende und die Handlungsfäden werden immer undurchsichtiger. Dennoch gelingt es Barron den Schluss der Erzählung herumzuwerfen und mit dem geradezu biblischen Ende den perfekten Abgang zu setzen. Auch hier hätte eine Kürzung der Novelle der Stringenz des Plots gut getan. Dennoch ist diese Geschichte einen Tick besser als die vorhergehende, was auch an der gelungenen Sprachverwendung liegt. Ein Kompliment an dieser Stelle an den Übersetzer Jakob Schmidt.
„Mysterium Tremendum“ ist die schwächste Erzählung des Bandes. Zur Handlung: Ein homosexuelles Pärchen begibt sich auf die Suche nach einem Dolmen-Grab, von dessen Position es aus einem „Schwarzen Reiseführer“ erfahren hat. Die Geschichte ergeht sich in vielen Belanglosigkeiten, was die Kraft des innewohnenden erzählerischen Kerns abschwächt. Auch der Höhepunkt ist nicht überzeugend genug gestaltet. Das Ende ist ein typisches Lovecraft-Ende, was durchaus positiv zu werten ist. Dennoch ist das Urteil insgesamt, dass die Story mittelmäßig konstruiert ist.
Die letzte Erzählung ist eine typische Kurzgeschichte. Von ihrer Konzeption erinnert sie an eine Thomas-Ligotti-Geschichte: Auf der Suche nach Zerstreuung treffen sich mehrere Wirtschaftsreisende in Indien. Sie begeben sich auf den Weg zu einer Ausstellung von Van Iblis. Dieser Guerilla-Künstler ist berühmt-berüchtigt und auch diese Ausstellung wird legendär enden. Die Story überzeugt auf ganzer Linie: interessante Charaktere, eine grandios-spannende Prämisse und ein schockierendes Ende. Damit ist die letzte Geschichte auch die beste Story des Bandes.

Fazit:
„Hallucigenia“ ist eine gute Sammlung mit Geschichten, die zwar nicht alle vollauf überzeugen können, aber dennoch alle sprachlich gelungen sind. Die Sammlung ist damit ein guter Beitrag zur deutschen Phantastik-Szene, wo aber beim Autor durchaus Potential zu mehr vorhanden ist. Vielleicht zeigt eine weitere Sammlung andere Facetten von Laird Barron. Wünschenswert wäre es einem deutschen Publikum allemal.

Cronn

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Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Unterhaltsam)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Barron, Laird

Verlag:

Golkonda Verlag

Erschienen:

Dez. 2015

Kritiker:

Cronn

ISBN:

9-783-94472-0838

ISBN(13):

978-9-7839-447-5

EAN:

9789783944725

Typ:

Taschenbuch

 

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