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Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes

Chiang, Ted

Rezension von Cronn

Nur wenige Autoren existieren derzeit in der SF, die sich abseits von aktuellen Trend etabliert haben. Military-SF ist seit Jahren en vogue und auch der Steampunk hat sich als Subgenre zwischen Fantasy und Science-Fiction fest beim Publikum eingeschrieben.
Wenn man sich darüber hinaus noch der Kunstform Kurzgeschichte zuwendet, hat man es als SF-Schriftsteller doppelt schwer.
Nicht wenige Kritiker sehen die literarische Kurzform nicht als eigenständige Form an, sondern werten die Kurzgeschichte lediglich als handwerkliche Übung für Autoren ab. Das ist sehr bedauerlich, denn auf diese Weise wird allein der Roman als die Form angesehen, die literarisch ergiebig sei und die hervorragenden Kurzgeschichten, die zur Zeit entstehen, werden übersehen.
Das ist besonders im Fall von Ted Chiang besonders tragisch.
Ted Chiang ist ein amerikanischer Autor, der bislang ausschließlich mit Kurzgeschichten in das Licht der Öffentlichkeit getreten ist, wobei auch Novellen zu seinen bevorzugten Formen zählen.
Chiang ist studierter Informatiker, was man seinen Geschichten durchaus anmerkt, da sie streng formalistisch konzipiert und auch einen engen logischen Rahmen in ihrer jeweiligen Weltenbauweise bilden.
Bei Golkonda sind inzwischen zwei Bände von Ted Chiang erschienen. Einer davon trägt den bedeutungsvollen Titel „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“.
Übersetzt wurde der Band mit Kurzgeschichten von molosovsky und gesetzt von Hardy Kettlitz auf Vorlage der Gestaltung von s.BEN.es.

Inhalt und Kritik:
Ohne Vorwort steigt man als Leser völlig unvermittelt in die Welten von Ted Chiang ein. Schade, es wäre zumindest eine kurze Vorbemerkung hilfreich und auch angesichts der Schreibe von Ted Chiang angebracht gewesen, um den Leser korrekt auf die vor ihm liegende Lektüre einzustimmen.
„Der Turmbau zu Babel“ ist eine Geschichte, die auf der biblischen Grundlage aufbaut und in Verbindung mit ägyptischer Mythologie Eigenständigkeit erreicht. Erzählt wird von einem Arbeiter, der beim Turmbau zu Babel dabei ist. In seiner Funktion als Bergarbeiter soll er tief in den Himmel vordringen, der als feste Materie über dem Turm sich ausbreitet. Die Story ist gleichzeitig abenteuerlich geschrieben und voller lebendiger Symbolistik.
Mit „Geschichte deines Lebens“ wandelt Ted Chiang auf den Pfaden von Alien-SF in Verbindung mit Elementen von Sprachwissenschaft und gleichzeitiger neuartiger Realitätssicht. Die Geschichte ist als Brief an ein fiktives „Du“ verfasst und liest sich tadellos als Versuch der Kontaktaufnahme mit einer fremden Rasse aus den Weiten des Alls, deren Sprachsystem völlig anders ist. Es erweist sich, dass es aber vor allem deren Realitätssicht ist, welche sie von uns unterscheidet. Eine sprachlich und von der inneren Logik her sehr interessant aufgebaute Story.
„Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“ konnte hingegen weniger überzeugen. Die Kurzgeschichte rund um die Gott-Suche eines Mannes, dem seine Frau genommen wurde, ist einerseits zu lang und verliert dadurch an Prägnanz. Andererseits ist die Geschichte in ihrer inneren Konsistenz zu ausfasernd und wenig greifbar.
Mit „Der Kaufmann am Portal des Alchemisten“ erreicht man als Leser das Highlight des Bandes. Erzählt wird von einem Portal, mit dessen Hilfe ein arabischer Kaufmann in die Vergangenheit zu reisen wünscht. Mittels mehrerer Binnengeschichten erreicht Ted Chiang ein symbolisches Level, das die Gesamtgeschichte in ihrer Bedeutungshaftigkeit weit über die anderen des Bandes hinaushebt.
„Ausatmung“ berichtet von der Selbsterkenntnis einer Rasse, deren Hauptlebenselixier die Luft ist, so scheint es zumindest. Die Story lebt von ihrer Fremdartigkeit der Weltenbeschreibung, die aber in sich absolut logisch ist.
Eine Quellenangabe schließt den Band ab. Auch hier hätte man sich ein Nachwort gewünscht, das Ted Chiang in die ihn umgebende SF-Szene einordnet und weitere Hinweise gibt. Schade, dass dies ausfallen muss.

Fazit:
„Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“ zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie kräftig die Kurzform der Science-Fiction sein kann, sofern sie sich in den Händen eines literarischen Ausnahmetalents befindet.
Zu loben sind nicht nur die grandiosen Weltentwürfe von Ted Chiang, sondern auch das sehr gelungene Design und der Satz des Bandes. Hier wirkt alles aus einem Guss.
„Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“ ist damit ein fast rundum perfekter Lesegenuss für Freunde anspruchsvoller Phantastik.

Cronn

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Jugendfrei)

 

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Mehr von Ted Chiang:
Das wahre Wesen der Dinge

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Chiang, Ted

Verlag:

Golkonda Verlag

Erschienen:

Feb. 2012

Kritiker:

Cronn

ISBN:

3-942-39612-2

ISBN(13):

978-3-9423-961-7

EAN:

9783942396127

Typ:

Taschenbuch

 

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