Online Rezensionen->alle->Das wahre Wesen der Dinge  

Zurück zur Startseite des X-Zines Diskutiert mit uns Unterstützt uns durch Bestellungen Fantasy-Bücher und -Geschichten Science-Fiction-Bücher und -Geschichten Horror-Bücher und -Geschichten Rollenspiele Trading Card Games PC- und Konsolenspiele Musik Comix

Bedienungsanleitung

Zurück zur Startseite des X-Zines

Erweiterte Suche

Das wahre Wesen der Dinge

Chiang, Ted

Rezension von Cronn

Als in der ARD der Name Ted Chiang auftauchte, war er hierzulande noch weitgehend unbekannt. Aber das hat sich in der Zwischenzeit geändert. Denis Scheck hat mit seiner enthusiastischen Kritik den Namen einem breiten Publikum bekannt gemacht. Ein Glücksfall für den engagierten Verlag Golkonda, der damit sein Portfolio erneut mit einem Autoren erweitert hat, der für Aufsehen sorgt.
Inzwischen hat der Golkonda-Verlag nachgelegt und präsentiert mit "Das wahre Wesen der Dinge" den Nachfolgeband des Amerikaners Ted Chiang, der von Karin Will übersetzt wurde.
Nachfolgend soll der Frage nachgegangen werden, wie gelungen die Kurzgeschichten von Ted Chiang in "Das wahre Wesen der Dinge" ausfallen.
Doch zunächst soll ein Überblick über den Inhalt des Bandes erfolgen, ehe sich der Aspekt der Kritik anschließt.

Inhalt:
Der Band "Das wahre Wesen der Dinge" enhält sieben Kurzgeschichten und eine längere Novelle. In der ersten Geschichte "Vergessen" dreht sich alles um einen Patienten, der nach einem Unfall eine Injektion von Stammzellen ins Gehirn bekommt und dadurch im Gegensatz zum Rest der Menschheit sein gesamtes geistiges Potential ausschöpfen kann.
Bei "Zweiundsiebzig Buchstaben" geht Ted Chiang von der Prämisse aus, dass die Mechanismen der Kabbala funktionieren und man mit Hilfe von Buchstabenkombinationen unbelebter Materie Leben einhauchen kann, vergleichbar dem Golem-Prinzip. Als die Wissenschaftler auf der Suche nach einer künstlichen Fortpflanzungsmethode sind, kommen sie einem mysteriösen Geheimnis auf die Spur, welches den Fortbestand der Menschheit bedroht.
"Die Evolution menschlicher Wissenschaft" beschäftigt sich mit der Frage nach der Beziehung von Metamenschen und normalen Menschen hinsichtlich der Forschungsergebnisse beider Gruppen.
In "Die Wahrheit vor Augen" gibt es eine Möglichkeit, den Menschen den Sinn für Ästhetik in Bezug auf andere Menschengesichter zu nehmen. Die Geschichte wird als Konstrukt bestehend aus vielen Meinungsbildern von Studenten, u.a., aufgebaut.
"Was von uns erwartet wird" ist ein kurzer Text um die Frage nach der Existenz eines freien Willens.
In "Der Lebenszyklus von Software-Objekten" geht Ted Chiang der Frage nach, wie künstliche Intelligenz deren Erschaffer beeinflusst, indem er Software-"Tamagotchis" der nächsten Generation erfindet.
"Daceys vollautomatisches Kindermädchen" beschreibt die Beziehung zwischen Mensch und Automat (Roboter), indem von einer Erfindung erzählt wird, welche im Steampunk-Milieu angesiedelt ist.

Kritik:
Gleich mit der ersten Geschichte zeigt Ted Chiang seine Stärken. Es sind dies sprachgewaltige Einblicke in Zustände, die als unbeschreibbar gelten. Sehr gelungen ist die Darstellung des Übermenschen, sein Blick auf den Rest der Menschheit, der mehr und mehr in Hybris eingeht. Sehr gelungen!
"Zweiundsiebzig Buchstaben" ist ebenfalls eine sehr gelungene Leistung von Chiang. Wie er hier gekonnt den Spagat zwischen Natur- und Geisteswissenschaft auf der einen Seite und der Metaphysik auf der anderen hinbekommt, ist einfach meisterhaft. Allerdings ist die Story sehr schwer zu lesen, da viele Fachbegriffe auftauchen. Wenn man sich aber auf dieses Abenteuer einlässt, wird man mit einer wahrlich geisterweiternden Lektüre belohnt.
"Die Evolution menschlicher Wissenschaft" ist ein winziger Einblick in eine kühle Welt, in der beide Menschen-Gruppen sich zu entzweien beginnen. Die Story bleibt aber zu blass und zu kühl in ihrer Konzeption, als dass sie den Rezipienten für sich einnehmen könnte.
Hingegen ist "Die Wahrheit vor Augen" ein sehr gelungenes Konstrukt. Zwar hätte man die Geschichte etwas kürzen können, ohne dass ihre intellektuelle Wucht verloren ginge, aber dennoch bleibt ihre Bedeutung als interessantes Geistesexperiment bestehen.
Bei "Was von uns erwartet wird" funktioniert die Kürze des Textes sehr gut. Eine kleine Perle rund um die Frage nach der Existenz eines freien Willens, die zum Nachdenken anregt.
"Der Lebenszyklus von Software-Objekten" ist als Novelle angelegt, was nicht über die gesamte Lauflänge des Textes überzeugt. Es schleichen sich latente Redundanzen ein, Sequenzen ohne Bedeutung für das Gesamtwerk, die man problemlos hätte entfernen können. Das schmälert die ansonsten interessante Erzählung leider, da deren Prägnanz verwässert.
"Daceys vollautomatisches Kindermädchen" ist eine kurze Erzählung, die sich mit der Bedeutung von körperlicher Nähe für den Menschen in seiner frühesten Entwicklung befasst. Ein sehr spannendes und bedrückendes Sprachexperiment, das gleichzeitig als Warnung vor überzogenem Erfindungsgeist gelten kann.

Fazit:
Ted Chiangs "Das wahre Wesen der Dinge" ist eine faszinierende Storysammlung. Es reihen sich stets hochspannende und sprachlich äußerst gelungene (und hervorragend übersetzte) Texte aneinander und bilden eine geistig anregende Lektüre. Ein Malus ist aber, dass Ted Chiang etwas zu sehr auf die Kopflastigkeit seiner Phantasie setzt. Das macht ihn einerseits intellektuell und literarisch sehr anspruchsvoll, nötigt dem Leser allerdings einiges an Geistesarbeit ab und es mangelt an Bildhaftigkeit.
Gelobt sei an dieser Stelle das Layout, das mit einem durchdachten Design aufwarten kann.
Wer sich auf die anstrengende, aber sehr geistig anregende Lektüre von Ted Chiang einlässt, wird mit Sicherheit auf neue Anregungen stoßen, die ihn nachdenklich zurücklassen.

Cronn

Datenbank:0.0009 Webservice:0.1074 Querverweise:0.0056 Infos:0.0006 Verlag,Serie:0.0006 Cover:0.0001 Meinungen:0.0007 Rezi:0.0001 Kompett:0.1161

 

Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anstrengend)

Spannung:

(Unterhaltsam)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

Links

 

Shopping:
kauf mich amazon
kauf mich 2nd Hand bei abebooks

Mehr von Ted Chiang:
Die Hölle ist die Ab...tes

Infos Golkonda Verlag:
Produkte im X-Zine

Navigation:
Zurück
Druckerversion

 

Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Chiang, Ted

Verlag:

Golkonda Verlag

Erschienen:

Jan. 2014

Kritiker:

Cronn

ISBN:

3-944-72017-2

ISBN(13):

978-3-9447-201-3

EAN:

9783944720173

Typ:

Taschenbuch

 

  [mehr]
 

Werbung

  booklooker.de - Der Flohmarkt für Bücher

 
Buch24.de - Bücher versandkostenfrei
 
Libri.de - Und Bücher kommen immer gut an