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Die traurige Geschichte der Brüder Grossbart

Bullington, Jesse

Rezension von sgo

Die Brüder Hegel und Manfried Großbart entstammen einer Dynastie von höchst unehrenwerten Grabräubern. Der Familienlegende nach hat ihr Großvater in den Pharaonengräbern des Gypterlandes recht gut abgesahnt, daher möchten nun auch seine Enkel gen Süden, um dort ihr Glück zu machen. Zur Finanzierung der Reise kann man ja jederzeit über ein paar wehrlose Bauern herfallen, um sie zu berauben. Leider sind mittelalterliche Bauern nicht immer so wehrlos wie man sich das als Grabräuber gemeinhin so vorstellt.

Außerdem ist der Weg ins Gypterland mit all den Schreckensfiguren gespickt, welche das dunkle Mittelalter so zu bieten hat: Hexen, Räuber, Dämonen und Chimären in allerlei Gestalt und vielerlei Tarnung warten nur darauf, ahnungslose Reisende auszunehmen. Und das „Ausnehmen“ ist hier durchaus wörtlich zu verstehen…


„Ab heute hat das Wort „BÖSE“ eine völlig neue Bedeutung“. Mit diesem Satz auf der Rückseite des Einbandes hatten die Grossbarts mein Interesse geweckt. Ich muss zugeben, das dieser Werbesatz durchaus seine Berechtigung hat, denn ich habe selten von derartig amoralischen Romanhelden gelesen. Sie beginnen zur Einstimmung der Leserschaft erst einmal mit dem Mord an ein paar Kleinkindern, und ihre späteren Eskapaden lassen sie auch nicht unbedingt sympathischer erscheinen. Die Grossbarts besitzen keinen erkennbaren Ehrenkodex und sind vollkommen ungebildet, in ihrer abergläubischen Ahnungslosigkeit aber immerhin mit einer etwas merkwürdigen Marienverehrung gesegnet.

In ihren Gesprächen versuchen sie sich an der durchaus diffizilen Klassifizierung verschiedenster Hexenarten und verirren sich auch immer wieder in theologische Gefilde. Dabei geben sie Thesen von sich, für die sie selbst der gutmütigste Priester sofort als Ketzer zum Tode auf den Scheiterhaufen verurteilen müsste. Gerade diese Themen fand ich sehr amüsant zu lesen. Jesse Bullington ist es tatsächlich gelungen, in diesem Buch die Gedankenwelt des Mittelalters anschaulich zu beschreiben. Die Ungebildetheit der armen Bevölkerung in Verbindung mit religiöser Verbohrtheit und einer Messerspitze Bauernschläue unterscheidet sich von der Erfahrungswelt der Neuzeit doch recht deutlich.

Überhaupt wird der Schmutz des Mittelalters geradezu liebevoll geschildert. Es steigen übelriechende Miasmen auf, verseuchte Körpersäfte verbreiten die Pest, und selbst der Geschlechtsakt mit einer Hexe wird derartig widerwärtig beschrieben, das ein Leben im Zölibat fast wie eine wünschenswerte Erlösung wirkt. Auch die Gaumenfreuden sind in diesem Buch eher rar gesäht, da die Grossbarts zumeist verwesendes Aas toter Pferde oder auch mal eine Chimäre zu sich nehmen und mir so des Öfteren den Appetit verdarben.

Die deutsche Ausgabe von Bastei-Lübbe trägt ein Vexierbild der Brüder Grossbart auf dem Cover, welches gleichzeitig einen Totenschädel abbildet. Ich fand das Bild recht gelungen, bis ich das amerikanische Original des Buches sah. Dort gibt es ein ähnliches Vexierbild, allerdings wurde Dies holzschnittartig im Stile eines mittelalterlichen Druckes gestaltet. Diese Variante gefällt mir eindeutig besser, da es den Geist des Romans deutlich näher steht als die deutsche Hochglanzvariante.

Dieses Buch ist im Besten Sinne des Wortes ein ungewöhnliches Werk. Bullington hat sich ausgiebig mit der Sachliteratur zu dieser Zeit beschäftigt, wie ein Literaturverzeichnis von SIEBEN Seiten belegt. Der Autor geht dabei so weit, die Existenz der Grossbarts auf mittelalterliche Legenden und auf im zweiten Weltkrieg verloren gegangene illuminierten Blätter zurück zu führen. Ich habe die von ihm gelegten Spuren aus Interesse mal gegoogelt, wurde dabei allerdings nicht fündig. Vermutlich dürfte es sich also um einen literarischen Scherz handeln. Das erwähnte Traktat „Tragoedia die Fratrum Barba Magna“ steht wohl im selben Regal wie das Nekronomicon. Im Gegensatz dazu hat sich „Die traurige Geschichte der Brüder Grossbart“ sicherlich einen dauerhaften Platz in meinem Bücherschrank verdient. Mir hat es gerade durch seine ungewöhnliche Art des Geschichtenerzählens sehr gut gefallen. Es wird mir im Gegensatz zu so manch anderen Fantasy-Werken sicher längere Zeit im Gedächtnis bleiben und ich kann es daher uneingeschränkt weiter empfehlen.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Entspannend)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Brutal)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Bullington, Jesse

Verlag:

Bastei Lübbe, Köln

Erschienen:

Mai. 2011

Kritiker:

sgo

ISBN:

3-404-28550-1

ISBN(13):

978-3-4042-855-1

EAN:

9783404285501

Typ:

Taschenbuch

 

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