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Fatimas Tränen. Shadowrun-Roman 79

Wichert, Alex

Rezension von goswin
Aus der Reihe "Shadowrun"

Anfang April 2007 erschien der SR-Roman "Fatimas Tränen" von Alex Wichert im FanPro-Verlag. Wie üblich bei FanPro enthält der 320-Seiten starke Roman eine Kurzbiographie des Autors, eine Danksagung, sowie ein Glossar im Anhang.
Das Cover zeigt zwei Personen, einen Magier oder Schamanen, der dabei ist, einen Zauber zu wirken, sowie einen zweiten, bewaffneten, jüngeren Mann. Im blau gehaltenen Hintergrund sieht man eine Moschee, sowie einen großen Vogel vor dem Mond.
Der Titel des Romans passt sehr gut zum Inhalt. Zwar verrät er nicht viel, aber er macht neugierig. Das Cover ist ebenfalls sehr gut gelungen und lässt darauf schließen, dass Coverartist Kathy Schad wusste, worum es im Buch geht und dies wunderbar umsetzen konnte. Großes Lob dafür!


Jari, der Anführer einer Söldnertruppe, soll einen brisanten Auftrag vermitteln. Die "Tränen Fatimas", magische Artefakte, die einer muslimischen Sekte heilig sind, sollen an einen bestimmten Ort transportiert werden. Dummerweise liegt dieser Ort in Afghanistan, einer höchst unsicheren Gegend.
Aber Jari findet ein Team: Flechette, die den Auftrag annimmt, um eine Gegenleistung einfordern zu können, Reynard, ein junger Runner, der Abenteuer erleben will, und Voiata, der Adlerschamane, der keine andere Wahl hat. Doch Fesseln liegen Voiata nicht, und so verfolgt er schnell auch eigene Ziele…


Nach seinem vielgelobten ShadowRun-Debüt mit "Kettenhund" hat Alex Wichert nun einen neuen Roman zu dieser Spielwelt verfasst. Er knüpft locker an den Vorgänger an, ohne aber davon abhängig zu sein.

Auch dramaturgisch und stilistisch bleibt der Autor seiner Linie treu. Wieder sind es drei Hauptakteure, die die Handlung tragen. Und wieder verbindet er geschickt eingebundene Rückblicke, um einen seiner Protagonisten besonders zu charakterisieren. Wo andere Autoren hier leicht Fehler machen und sich in verschiedenen Zeitebenen verzetteln, gelingt Alex Wichert hier eine gelungene Kombination.

Das wesentliche Merkmal der Romane des Alex Wichert sind die Charaktere. Stets stehen sie im Mittelpunkt, sie sind das zentrale Motiv, um sie dreht sich alles. Obwohl die Protagonisten, so man sie überhaupt mit diesem eher positiv geprägten Etikett versehen will, nicht gerade die strahlenden Helden sind, oder übermäßige Sympathie für sich in Anspruch nehmen können, schafft Alex Wichert es doch, dem Leser diese Charaktere nahe zu bringen. Sie erwachen zum Leben, ziehen den Leser in ihren Bann. Der Autor schafft es, dass man die Figuren versteht, mit ihnen fühlt, so fern sie dem Selbst eines normalen Mitteleuropäers auch sein mögen. Eine Fähigkeit, die bei weitem nicht jeder Autor hat…

Trotzdem sind die Figuren nicht das einzige wesentliche Merkmal des Romans. Der Sprachstil des Alex Wichert prägt das Buch ebenso - realistisch, oft düster, nicht immer ganz jugendfrei oder politisch korrekt. Ein Stil der genau in diese Fantasy-Welt passt, der das Lebensgefühl transportiert. Auf diese Weise liest sich das Buch nahezu von selbst. Ob Actionszene, Dialog oder philosophische Gedanken - alles fügt sich zu einem organischen Ganzen.

Eine weitere Parallele zum "Kettenhund" ist die Einbeziehung eines Volkes. War es im "Kettenhund" die leidende russische Seele, so kommt in "Fatimas Tränen" der ungebrochene Widerstand der afghanischen Bevölkerung hinzu. Auf ganz eigene Art und Weise verbindet der Autor das Schicksal eines Protagonisten mit dem des auch in dieser Fantasy-Welt unterdrückten Volkes. Diese Mischung aus Fantasy-Roman und sehr realen, und z.T. auch sehr aktuellen Bezügen ist etwas Besonderes.

Die Unterdrückung von Körper und Seele, die man als Soldat in vielen Armeen dieser Welt durchmachen muss, ist ebenfalls ein Thema, welches sich durch die Romane des Autors zieht. In den Rückblicken des Protagonisten zeichnet Alex Wichert ein Bild, welches sich erschreckend wenig von der Vorstellung unterscheidet, die man von den Zuständen innerhalb der russischen Armee hat. Erschreckend wegen der Brutalität und Gleichgültigkeit den eigenen Soldaten gegenüber, aber auch wegen der Gefahren, die sich durch Korruption und Intrigen ergeben.

Alles in allem muss also vor diesem Buch gewarnt werden. Wer einen simplen Roman erwartet, den man in wenigen Stunden liest, weglegt und zwei Tage später vergessen hat, ist hier falsch am Platze. "Fatimas Tränen" ist ein Roman, der neben einer sehr guten Handlung und hervorragenden Charakteren eben auch viel Stoff zum Nachdenken anbietet und Zeit dafür einfordert. Dieses Buch liest man nicht mal eben schnell nebenbei. Dieses Buch braucht Zeit. Zeit, nachzudenken. Und diese sollte man sich unbedingt nehmen.
Wer Romane mit Tiefgang mag, und auch über die Abgründe menschlicher Psyche nachdenken kann und will, ist hier genau richtig.


"Fatimas Tränen" ist kein Mainstream-ShadowRun-Roman. Doch auch abseits der üblichen Szenarien gibt es Spannendes zu erzählen, wie Alex Wichert erneut eindrucksvoll beweist. "Fatimas Tränen" ist ein wunderbar zu lesendes Buch, welches für ShadowRun-Einsteiger, aber auch für Fortgeschrittene geeignet ist und viel Anregung zum Nachdenken gibt. Unbedingt Lesen!!!

Dieser Text wurde uns freundlicherweise von einem Mitglied des Communityportals CIAO.de überlassen. Dass der Text ganz oder teilweise identisch ist mit dem Beitrag im Community Portal ist vollkommen in Ordnung und gewollt.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Fesselnd)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Serie:

Shadowrun

Autor:

Wichert, Alex

Verlag:

Fantasy Productions, Erkrath

Erschienen:

Apr. 2007

Kritiker:

goswin

ISBN:

9-783-89064-5131

ISBN(13):

978-9-7838-906-10

EAN:

97897838906410

Typ:

Taschenbuch

 

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