Online Rezensionen->alle->Nachtwanderer  

Zurück zur Startseite des X-Zines Diskutiert mit uns Unterstützt uns durch Bestellungen Fantasy-Bücher und -Geschichten Science-Fiction-Bücher und -Geschichten Horror-Bücher und -Geschichten Rollenspiele Trading Card Games PC- und Konsolenspiele Musik Comix

Bedienungsanleitung

Zurück zur Startseite des X-Zines

Erweiterte Suche

Nachtwanderer

Enderle, Manfred

Rezension von Hyndara

Die Welt von Thomas Graun ist in Ordnung - bis seine Frau Marlene ihn urplötzlich wegen eines anderen Mannes verläßt. Der Pilzkenner und Naturbursche ist vollkommen konsterniert und weiß mit der Situation nicht umzugehen.

Dann aber, während einer Wanderung durch den Wald, kommt ihm ein Gedanke und Thomas Graun übt sich selbst als Kleinbürgerischer Rachegeist und Nemesis seines Nebenbuhlers. Da helfen selbst solche Warnungen wie die Lebensgeschichte des greisen Anglers Heidenreich nicht.

Als er in einer Fachzeitschrift von einem neuen, tödlichen Pilz erfährt, nimmt das Unheil seinen Lauf - nur weiß Graun selbst noch nicht, in welche Richtung ...

Für die meisten Menschen sind Pilze ein Mysterium. Von klein auf wird man gewarnt, ihnen nicht zu nahe zu kommen oder sie gar auszureißen, sie könnten ja giftig sein! Auf der anderen Seite werden viele Antibiotika eben aus Pilzen und deren Sporen gewonnen.

Die Rezensentin weiß, wovon sie spricht: Auf meinem Arbeitsweg liegt ein kleines Gehölz, in dem ich kürzlich ziemlich viele, merkwürdig aussehende Pilze gefunden habe. Schöne Pilze, hübsch anzusehen. Trotzdem halte ich Abstand - man weiß ja nie! Eine Recherche über das Internet brachte rein gar nichts, dabei würde ich wirklich gern wissen, wie diese hübschen „Blüten“ heißen. Falls sich also jemand findet auf diesem Wege ...

Aber zurück zu diesem Roman. Manfred Enderle ist ein Pilzkenner mit jahrelanger Erfahrung. Er weiß, wovon er schreibt. Nur würde der Leser sich an mancher Stelle selbst gern ein Bild machen. Eine kurze Beschreibung der entsprechenden Pilze wäre vielleicht nützlich gewesen für jemanden, der sich bisher noch nicht allzu weit in das Mysterium „Pilz“ hineingewagt hat.

Dabei - ein echter Kriminalroman ist „Nachtwanderer“ nicht wirklich. Abgesehen von einigen Hausfriedensbrüchen gibt es eigentlich nur eine Leiche im Wald, die Graun findet, deren Schicksal aber nicht weiter verfolgt wird. Keine Leiche also, abgesehen von denen, die der Hauptcharakter so in seinem geistigen Keller ansammelt, sowie ein kleiner Betrug während eines Sportwettkampfes.

Es sei denn, wir legen das Genre jetzt etwas weiter aus und beziehen auch allein schon den Gedanken an Mord mit ein - beziehungsweise einen nicht bewiesenen Mordversuch. Nehmen wir jetzt also einfach den Vater der Gedanken, dann kommen wir weiter.

Enderle schreibt aus der Kleinbürgerlichen Sicht, eben aus der Grauns. Und schon allein das ist ein Genuß. Graun, offensichtlich mitten in seiner Midlifecrisis, der seine Frau zurückgewinnen will, gleichzeitig aber auch schon die Fühler ausstreckt und sich mit einer jüngeren einläßt. Die allerdings spielt nur mit ihm, was er überhaupt nicht wirklich begreift.

Wie wunderbar das deutsche Spießbürgertum charakterisiert ist, zeigt sich vor allem in der Szene zwischen Vater und Sohn Graun: Stefan, der 16-jährige Sohn von Thomas und Marlene, hat eine türkische Freundin. Nicht ganz so schlimm, wenn auch schon etwas befremdend für Vater Graun. Als sein Sproß dann aber erklärt, bei ihr sei die Regel ausgeblieben ... Wir haben keine Vorurteile, nein, wir haben sie nicht. Aber mit 16! - Köstlich!

Die anderen Figuren bleiben alle hinter dem großen, exzentrischen Charakter von Thomas Graun zurück, mutieren teilsweise in pure Stichwortgeber. Trotzdem bleibt der Reiz, einmal einem Otto-Normal in den Kopf zu gucken hoch. Voyeurismus auf die ganz besondere Art. Graun, der sich selbst als erfahren und intelligent sieht, findet immer wieder ziemlich schnell seine Grenzen und erkennt sie nicht wirklich.

Sein Kleinkrieg mit seinem Nebenbuhler offenbart einen ähnlich hohen Schmunzelfaktor wie der Rest seines Lebens. Ungeziefer, Unkraut und Baldrian sind die Waffen der Zukunft, Zermürbung das Ziel. Da bleibt beim Lesen der eine oder andere Lacher nicht aus.

Alles in allem ein solider Erstling mit bestechendem Witz und einer Menge krimineller Energie. Es muß nicht immer alles im Tode enden, wie Enderle seinen Lesern zeigt. Herrlich, göttlich! Und die Rezepte aus der Feder des Autors sind einen Versuch wert.

Herstellerinfo:
Nach einer Hochzeitsfeier wird der Krankenpfleger Thomas Graun wegen eines anderen Mannes von seiner Frau verlassen. Der exzentrische Naturbursche ist mit der Situation völlig überfordert und aus der Bahn geworfen. Immer öfter zieht er sich in die Wälder zurück, getrieben von düsteren Rachegedanken.

Als Graun eines Tages in einer Zeitschrift von einem neu entdeckten Pilz liest, schmiedet er einen teuflischen Plan ...

Datenbank:0.0012 Webservice:0.0853 Querverweise:0.0157 Infos:0.0007 Verlag,Serie:0.0009 Cover:0.0001 Meinungen:0.0008 Rezi:0.0001 Kompett:0.1051

 

Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(Entspannend)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

Links

 

Shopping:
kauf mich amazon
kauf mich 2nd Hand bei abebooks

Infos Manfred Enderle:
Biographie von Manfred Enderle

Infos GmeinerGmeinerGmeiner:
Produkte im X-Zine

Navigation:
Zurück
Druckerversion

Weblinks:
Homepage Manfred Enderle

 

Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Deutschland

Zeit:

2005

Autor:

Enderle, Manfred

Verlag:

GmeinerGmeinerGmeiner

Erschienen:

Jul. 2006

Kritiker:

Hyndara

ISBN:

3-899-77683-6

ISBN(13):

978-3-8997-768-6

EAN:

9783899776836

Typ:

Taschenbuch

 

Manfred Enderle

 

Manfred Enderle wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet für seine Studien von und mit Pilzen. Er gilt als Koryphäe auf diesem Gebiet [mehr]

 

  [mehr]
 

Werbung

  booklooker.de - Der Flohmarkt für Bücher

 
Buch24.de - Bücher versandkostenfrei
 
Libri.de - Und Bücher kommen immer gut an