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Miami Vice

Davilex

Rezension von Cronn

Mit gezogener 45er Magnum renne ich durch den Hauseingang und presse mich hart gegen die Wand, da plötzlich Kugeln pfeifend an mir vorbeijagen und auf der gegenüberliegenden Seite des Ganges in den Putz schlagen, dort ein bizarres Muster einstanzend.
Winzige Putzsplitter werden von den Projektilen aus der Wand gerissen und ein Staubnebel legt sich auf meinen teuren Armani-Anzug. Empört wische ich mir über das pastellfarbene Sakko und klopfe den Staub aus.
Mein Partner, Ricardo Tubbs, eilt hinter mir her, die Schrotflinte ruht griffbereit auf seinem Arm. Sein dunkles Gesicht drückt Sorge um die Tochter des Drogenbosses aus, welche hier in diesem Appartement wohnen soll. Offensichtlich ist sie ungewollterweise zwischen die Fronten in einem Drogenkrieg geraten.
Mit einem Kopfnicken gebe ich Ricardo das Zeichen, dass er mir Rückendeckung geben soll. Dann werfe ich mich nach vorne und hechte hinter ein Sofa, während Ricardo gleichzeitig einen Ausfallschritt macht und die Schrotflinte sprechen lässt. Zweimal leuchtet die Mündung des Gewehres hell auf – zweimal kracht ein Schuss. Die Ganoven halten dadurch die Köpfe unten, was mir die notwendige Zeit verschafft, um heil hinter das Sofa zu gelangen.
Dort atme ich tief durch und brülle Ricardo zu, dass ich übernehme. Sofort tauche ich über dem Rand des Sofas mit angelegter Waffe auf. Ricardo zieht sich hinter die Wandecke zurück. In dem Moment, als die Gangster aus ihren Verstecken hinter den Sesseln und hinter dem Fernseher aufstehen, lasse ich die 45er Magnum Blei spucken. In schneller Folge jagen die Kugeln durch den Raum – dann liegen die beiden Ganoven bewegungslos am Boden...

Wer kennt sie nicht, die beiden Super-Cops aus Miami, die in den frühen 80er Jahren die Fernsehschirme in aller Welt erobert haben. Sonny Crockett und Ricardo Tubbs, gespielt von Don Johnson und Philip Michael Thomas, wurden quasi über Nacht zu Pop-Ikonen. Die Serie „Miami Vice“ erreichte Rekord-Einschaltquoten und machte Armani-Anzüge mit weißen T-Shirts darunter zum Modetrend. Auch die Titelmelodie von Jan Hammer wurde weltberühmt.
Es existierte sogar ein Computerspiel zur Fernsehserie auf dem beliebten C-64 Homecomputer (von vielen wegen seiner Bauform liebevoll „Brotkasten“ genannt), was zwar vom Gameplay her innovativ, aber grafisch und von der Spielbarkeit (Steuerung!) her weniger eindrucksvoll war und heutzutage wohl niemand hinter dem Ofen hervorlocken kann.
Inzwischen sind über 20 Jahre vergangen. Man könnte denken, dass die Zeit für Serien wie MIAMI VICE und dessen Game-Umsetzung vorbei ist. Falsch gedacht.
Wir leben momentan offenbar in der Zeit der Revivals. Nach dem 70er-Revival kam das große 80er-Revival und dem Anschein nach stecken wir immer noch mitten drin, wie die Revival-Fernsehshows und Gamesveröffentlichungen in den letzten Monaten zeigen. Von der Software-Firma Davilex erschienen zwei „Knight Rider“ Actionspiele, welche unter KNIGHT-RIDER Fans durchaus Anklang fanden. Nun werden von eben jener Firma die Fans von MIAMI VICE mit einem Computerspiel bedacht, das aber auch andere Kundenbereiche ansprechen soll.

Story:
Sony Crockett und Ricardo Tubbs versuchen das Drogenkartell von Manuel Ortega zu unterwandern. Der alternde Drogenboss muss sein Gangster-Imperium gegen den steigenden Einfluss neuer, aggressiver Banden aus Kolumbien verteidigen.
Nach monatelanger, intensiver Undercover-Arbeit können Crockett und Tubbs endlich ein Treffen mit dem schwer zu fassenden Boss arrangieren. Schnell stellt sich aber heraus, dass sie in einen Hinterhalt geraten sind: Auftragskiller legen alle Verdächtigen um und fliehen mit dem Geld und allen Beweisstücken.
Tubbs und Crockett finden heraus, wer hinter dieser Falle steckt. Ein Fotograf führt sie zu Sylvia, Ortegas Tochter. Das Mädchen hat scheinbar keine Ahnung, womit ihr Vater sein Geld verdient, befindet sich aber in großer Gefahr, da sie für die Rivalen ihres Vaters zu einem wichtigen Ziel geworden ist.
Nachdem die beiden Supercops knapp einem Anschlag entkommen sind, greifen die Gangster auch Sylvia an. Sie überlebt nur um Haaresbreite. Sylvia führt die beiden in das Herz der Organisation des Vaters.
Aber – ist Sylvia wirklich so ahnungslos, wie sie scheint? Stille Wasser sind ja bekanntlich tief...!

Spielverlauf:
„Miami Vice“ spielt sich wie eine Mischung aus einem 3D-Action-Adventure und einem klassischen Arcade-Shooter, wobei der Shooter-Anteil wesentlich stärker ausfällt.
Man rennt bzw. schleicht wahlweise mit Sonny Crockett oder Ricardo Tubbs durch die Levels, die den Originalszenen der Serie nachempfunden wurden. Dabei fällt auf, dass eine Fernseh-Folge der Serie „MIAMI VICE“ dem Spiel storytechnisch zu Grunde liegt. Man folgt demnach den Ereignissen dieser Fernsehfolge, hat aber beim PC-Game im Gegensatz zum TV natürlich den Vorteil, dass man in die Handlung eingreifen kann.
Ähnlich wie beim Game „KillSwitch“ kann man hinter Kistenstapeln oder Wänden in Deckung gehen und aus dieser verdeckten Position schießen. Sobald die Gegner erledigt sind, schleicht man wieder vorwärts. Vor bestimmten Schlüsselszenen fährt die Kamera über die Örtlichkeiten und zeigt die Positionen der Gegner. Das ist natürlich nicht immer so – das wäre auch gar zu leicht.
Ab und an gelangt man an Stellen, wo es gilt einen Schalter zu drücken. Dieser öffnet dann beispielsweise ein Tor, oder er lässt eine Leiter herabsinken. Durch kleine Piktogramme auf dem Monitor wird der Spieler darauf aufmerksam gemacht, sollte sich ein Gegenstand in seiner Nähe befinden, der benutzbar ist.
Cut-Scenes werden in der Spielegrafik angezeigt. Es gibt vor jeder neuen Mission eine Cutscene, welche die einzelnen Missionen miteinander verbindet und die Ereignisse vorantreibt.
Meist sind beide Cops in den Leveln unterwegs, so dass man per Tastendruck zwischen den beiden hin- und herschalten kann. Crockett und Tubbs besitzen unterschiedliche Charakteristika, so beherrscht Tubbs den Hechtsprung besser als Crockett, dieser ist aber im Umgang mit Pistolen geübter. Tubbs hingegen kann verschlossene Türen mit einem kräftigen Fußtritt öffnen.
Ein weiteres Feature ist, dass der Spieler seinem virtuellen Buddy Befehle geben kann. Dies gestaltet sich recht einfach. Eine Taste genügt, um zwischen einfachen Befehlen wie „Beschütze mich“, „Folge mir“ oder „Gehe voraus“ umzuschalten. Die Wegeroutine der Gefährten ist aber oftmals fehlerhaft, so dass die Polygon-Cops hier und da unter Treppen hängen bleiben oder den Weg in das nächste Stockwerk nicht finden. Hier hilft nur noch, selbst Hand an zu legen und dem Verirrten den Weg zu zeigen, indem man ihn übernimmt und zum Partner führt.
Das Spielgeschehen ähnelt sich zumeist. Es geht um das Anschleichen, Deckung suchen und darum, aus dieser heraus die Gegner unter Beschuss zu nehmen. Mit verschiedenen Waffen ist dies möglich...

Waffendesign und Ausrüstung:
„MIAMI VICE“ bietet dem Spieler ein Arsenal von 12 automatischen Feuerwaffen. Dazu gehören Standardtypen wie Crocketts 10mm Automatik oder Tubbs abgesägte Schrotflinte. Weiterhin können von den ausgeschalteten Feinden Waffen aufgenommen werden, wie beispielsweise eine 9mm Pistole, eine schallgedämpfte 9mm, ein 45er Magnum, eine Maschinenpistole, einen Granatwerfer, eine Submachine Gun oder ein Sturmgewehr.
Granaten gibt es in MIAMI VICE nicht.
Falls man von den Ganoven getroffen wurde, kann man sich mit Hilfe von Erste-Hilfe-Kästen (die merkwürdigerweise in grüner Farbe gehalten sind) heilen. Aber die beiden Cops erholen sich nach einiger Zeit auch von selbst - zum größten Teil. Sollte man doch einmal mit der Lebensenergie fast auf Null sein, verfällt man in eine Art Stasis, einen Erschöpfungszustand. Innerhalb einiger Minuten muss man nun mit Hilfe des anderen Cops den verletzten Partner berühren, um ihm wieder auf die Beine zu helfen. Ansonsten geht es mit ihm zu Ende.

Steuerung:
„MIAMI VICE“ wird aus der Verfolgerperspektive gespielt, wobei man mit der Maus die Kamera relativ frei schwenken kann. Mit der Tastatur bewegt man die Cops durch die Level, wobei sich die Steuerung als ein wenig ungenau herausstellt. Besonders ärgerlich ist das, wenn man auf einem schmalen Steg unterwegs ist und wegen dieser Ungenauigkeit riskiert, vom Steg in den Abgrund zu fallen.
Mit der ALT-Taste begibt man sich in Deckung oder hechtet nach vorn. Befindet man sich zum Beispiel an der Wand, kann man von dort aus der Deckung heraus schießen. Mit der rechten Maustaste kommt man in den Schussmodus. Die Cops zielen automatisch auf den nächstgelegenen Gegner. Die linke Maustaste löst dann den Abzug aus.
Es fällt unangenehm auf, dass die Tastaturbelegung nicht frei konfigurierbar ist. Es stehen lediglich zwei vorgefertigte Tastaturbelegungsalternativen zur Verfügung.
Gespeichert wird in „MIAMI VICE“ automatisch nach Ende des Levels. Speicherpunkte innerhalb des Spielabschnitts gibt es nicht. Das führt dazu, dass es gerade im ersten Level, der verhältnismäßig lang ist, zu Frustsituationen kommt. Es ist schon ärgerlich, wenn man als Spieler den Level fast geschafft hat und dann durch eine winzige Unachtsamkeit oder einen Programmfehler (ab und an schießen die Gegner durch solide Mauern – Clippingfehler!) auf den alten Spielstand zurückgeworfen wird und man das Level von vorne beginnen muss.
Später im Verlauf des Games sind die Maps von der Größe und dem Schwierigkeitsgrad her wesentlich besser austariert, so dass es bei den meisten Spielern nicht mehr zu den eben genannten Frustsituationen kommen sollte.

Grafik:
Die Grafik von „MIAMI VICE“ ist von der Auflösung her hoch skalierbar, was für die Besitzer älterer Rechner von Vorteil ist. Aber selbst mit der höchsten Auflösung sieht die Spielgrafik nicht nach einem Game aus, das im Jahr 2004 programmiert wurde. Vor zwei Jahren hätte die Grafik noch als gut gegolten, doch inzwischen merkt man den Zahn der Zeit an der „MIAMI VICE“-Grafikengine, so dass man diese nur noch als durchschnittlich bezeichnen kann. Dadurch werden Hardcore-Gamer abgeschreckt und nur noch die harten Fans der originalen „MIAMI VICE“-Fernsehserie werden die Grafik über lange Zeit in Kauf nehmen wollen, da sie immerhin eine Originalfolge der TV-Serie spielen können.
Spezialeffekte beherrscht die Engine kaum. Es gibt zwar Nebeleffekte, welche aber durch Bitmaps dargestellt werden. Selbst die Lichteffekte sind keine Up-to-date Referenzeffekte. Insgesamt betrachtet stellt die Grafikengine diejenigen Spieler zufrieden, die ab und an mal und dazu auf einer moderaten Hardware spielen. Begeistern kann die Grafik aber nicht.

Sound:
Im Bereich der Geräuschkulisse wäre das Spiel ohne die treibende Musik von Jan Hammer nicht komplett. Gottlob wurde sie lizensiert und begrüßt den Spieler gleich beim Titelscreen. Im Spiel selbst bleibt die Musikberieselung dezent im Hintergrund und wird als nicht störend empfunden.
Die Geräuscheffekte sind recht schwach ausgefallen. Die unterschiedlichen Waffen variieren von den Schussgeräuschen her nur leicht. Der Sound der Schusswaffen klingt insgesamt im Basstonbereich dünn. Der Funke springt daher beim Spielen nicht über, so dass einem die Soundeffekte viel zu trocken für einen Shooter vorkommen.

Bonus:
Je weiter man im Spiel gelangt, desto mehr Boni kann man in einem gesonderten Bereich im Menü freischalten. Diese Boni sind Darstellungen von Charakteren aus dem Game/Serie.
Ein nettes kleines Feature für Fans.

Fazit:
„MIAMI VICE“ ist ein Spiel für hartgesottene Fans der Serie. Diese finden darin die wohlbekannten Zutaten für ein Wiedersehen mit Sonny Crockett und Ricardo Tubbs.
Hardcore-Gamer wird das Spiel wohl nicht sonderlich begeistern. Dazu ist die Steuerung zu ungenau, die Grafik zu durchschnittlich und der Sound eher dünn. Für ein Spielchen zwischendurch ist „MIAMI VICE“ auch für diese Gamer-Gruppe geeignet, mehr aber nicht.
Fans der Serie sollten einen Blick auf das Spiel wagen. Wer pastellfarbene Anzüge und lineare Shooter-Action steht, der kann mit dem Spiel „MIAMI VICE“ eine Ehe auf Zeit eingehen.

Cronn

Systemanforderungen:

Windows 98/2000/ME/XP
Pentium III, 800 MHz
256 MB RAM
DirectX 9 kompatible 3D Grafikkarte, ATI 8500/GeForce 3 (32 MB)
CD ROM Laufwerk 8x
DirectX 9 kompatible Soundkarte

USK Einstufung: Freigegeben ab 16 Jahren gemäß § 14 JuSchG


Screenshots:
Miami Vice (PC - Version)

Copyrights Screens by Davilex Software

Datenbank:0.0016 Webservice:0.0949 Querverweise:0.0053 Infos:0.0007 Verlag,Serie:0.0006 Cover:0.0002 Meinungen:0.0009 Rezi:0.0001 Kompett:0.1045

 

Wertung

 

Gesamt:

(Mittel)

Schwierigkeit:

(Leicht)

Spannung:

(Unterhaltsam)

Brutalität:

(Brutal)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Davilex

Verlag:

Koch Media

Erschienen:

Dez. 2004

Kritiker:

Cronn

Typ:

Computerspiel

 

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