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Jack Ketchums Evil

Wilson, Gregory; Auffarth, Blythe; Manche, Daniel; Baker, Blanche

Rezension von cronn

Die Verbindung von scheinheiliger Biedermeier-Mentalität, sexuellen Verdrängungen und Sadismus ist hochexplosiv und führt immer wieder zu bestialischen Verbrechen. Im Jahr 1965 erhielt die Polizei in Indianapolis einen telefonischen Hinweis, der sie zum Schauplatz eines Mordes führte, wo sie eine junge Tote fanden. Es war das Mädchen Sylvia Likens.
Die Eltern des Mädchen hatten es und seine Schwester Jenny Fay Likens in die Obhut einer Hausfrau namens Gertrude Baniszewski gegeben, um als Schausteller mit einem Rummel im Land umherzuziehen.
Der Mord an Sylvia Likens gilt als das grausamste Verbrechen an einem Einzelopfer, das in Amerika verübt wurde. Getrude Baniszewski wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, kam nach 18 Jahren frei und starb 1990.
Der junge Regisseur Gregory Wilson hat sich des Stoffes angenommen, der zuvor vom Autor Jack Ketchum in einem packenden Roman umgesetzt worden war. Es ist Wilsons zweite Regiearbeit, nachdem er mit „Home Invaders“ zuerst auf sich aufmerksam gemacht hatte.
Der Film „Evil“ wird in Deutschland von Galileo Medien herausgebracht und von der WVG Medien GmbH vertrieben.

Inhalt:
Der Film folgt lose den tatsächlichen Ereignissen. In einer beschaulichen amerikanischen Vorstadt lebt der 12-jährige David. Die Nachbarin Ruth, selbst dreifache Mutter, hat gerade zwei junge Mädchen in ihre Obhut genommen – die 16-jährige Megan und ihre etwas jüngere Schwester Susan. David freundet sich mit Megan an und entwickelt ein starkes Gefühl der Zuneigung für sie. Doch schon sehr bald findet Ruth Vorwände, die beiden Mädchen, insbesondere Megan, zu bestrafen. Dies entgeht auch David nicht. Als die Misshandlungen brutaler und häufiger werden, gerät die Situation bald vollständig außer Kontrolle: Nicht nur Ruth quält Megan, sämtliche Nachbarskinder sind in das brutale Folterspiel involviert. Für Megan beginnt ein auswegloses Martyrium. Einzig David scheint sich Megan Mitleid zu empfinden, wagt es aber nicht, ihr zu helfen. Doch in ihm kämpft die Stimme seines Gewissens.

Kritik:
„Evil“ ist ein Film wie ein Schlag in die Magengrube. Dabei bezieht er sein Potential nicht aus dem gezeigten Grauen, vielmehr lotet er die Abgründe menschlicher Bestialität mit Hilfe von Worten, Gestik, Mimik, und vor allem Andeutungen aus. Zwar gibt es auch hässliche Szenen, aber sie werden nicht verherrlichend oder gar gewaltpornographisch ausgewälzt.
Gerade jene Momente, in denen die Kinder an den Folterungen Megans teilnehmen, wirken umso härter.
Die Kinder-Schauspieler leisten wahrhaft Großes, allen voran Blythe Auffarth in der Rolle der Megan, die wirklich schier übermenschliche Foltern glaubhaft darstellen muss. Auch der junge David, verkörpert von Daniel Manche, überzeugt. Seine Fähigkeiten erschöpfen sich nicht mit aktionsbeladenen Szenen, sondern auch bei Gefühlsregungen zeigt er Talent. Die bösartige Unterschichtshausfrau Ruth wird von Blanche Baker gespielt. Ihre Darstellung zeigt die vielen Seiten dieses sadistischen Charakters hervorragend.
Der Film zeigt sich zunächst als recht harmloser Coming-Of-Age-Streifen, in welchem in den 50er Jahren einige Jugendlichen beim naiven Spielen im Wald und anderen Aktivitäten gezeigt werden. Aber nach und nach zieht Gregory Wilson die Daumenschrauben an. Mehr und mehr wird deutlich, dass hier ganz und gar nichts stimmt. Ruth trinkt und raucht unkontrolliert, verführt auch ihre männlichen Nachkommen dazu, die teilweise nur 11 Jahre alt sind und wirkt mehr und mehr wie in ihrer eigenen Vergangenheit abgekapselt. Ihre Sicht der Realität ist eine verschobene, die sie sich aus Selbsthass und Hass auf die Gesellschaft zusammengebastelt hat.
Megan wird zum Zielobjekt ihres Hasses, aber auch die Schwester von Megan, namens Susan. Die Situation explodiert nach einem harmlosen Spiel, bei dem Megan einen von Ruths Söhnen von sich wegstößt. Dies liefert Ruth den Vorwand, den sie braucht, um Megan und Susan zu quälen.
Nach und nach werden auch die Nachbarkinder in die Folterszenen einbezogen, wobei die Mädchen schweigen, die Jungs aber deutlich mit Eifer mitmachen. Selbst David wagt es nicht, sich gleich zu Beginn der Tortur einzuschalten und für Megan zu sprechen.
Die Kameraarbeit von „Evil“ ist handwerklich sauber, bleibt dabei recht konservativ. Gregory Wilson hat sich mit seinem Team völlig auf die inhaltliche Ebene des Stoffes konzentriert, gibt auch filmtechnisch dem Zuschauer keine Möglichkeit sich einen Moment lang vom Geschehen abzusondern. „Evil“ zeigt Unmenschliches, ohne Beschönigung. Die einzige Schonung, die Gregory Wilson dem Publikum lässt, ist das Abblenden bei Folterszenen oder die indirekte Darstellung derer. Aber selbst dies wirkt ja bekanntlich ebenso, wenn nicht sogar weitaus stärker als die direkte Darstellung.
Ein musikalisch zurückhaltender Score unterstreicht die Eindringlichkeit der Story und komplettiert einen beeindruckenden Film.

Bonusmaterial:
In der erhaltenen Presse-Version war noch kein Bonusmaterial enthalten. In der endgültigen Fassung wird in der Steelbook-Edition ein Making of, sowie diverse weitere Materialien dabei sein.
Sobald die Steelbook-Version dem X-Zine vorliegt, wird die Kritik der Bonusmaterialien nachgereicht.

Fazit:
„Evil“ ist ein Film, der weh tut. Das Mitleid mit dem gefolterten Mädchen reißt einem fast das Herz aus dem Leib. Solche Gefühle werden beim Zuschauer nicht oft erreicht. In anderen Folter-Filmen beschränkt sich die Schilderung auf die Folter-Szenen, macht aber keine Charaktere besonders deutlich. Und gerade hier ist die Stärke von „Evil“. Gregory Wilson hat erkannt, dass die Charakterzeichung wesentlich wichtiger für das Gelingen der Story ist als jegliche Folterszene. Und der Regisseur Wilson setzt exakt dies um.
„Evil“ ist schon jetzt ein Meisterwerk, das sich schwer einordnen lässt. Die Härte eines Horrofilms, gepaart mit einer Crime-Story und der wuchtigen Schwere eines Dramas. Das Endergebnis ist ein schmerzhafter, aber wichtiger Film über das Böse, das im Menschen schlummert. Auf dass es niemals erwachen möge!

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Fesselnd)

Brutalität:

(Ekelhaft)

Ton:

(Gut)

Bild:

(Gut)

 

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Abenteuer Medien, Hamburg

 

Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

USA

Zeit:

50er Jahre

Autor:

Wilson, Gregory

Verlag:

Abenteuer Medien, Hamburg

Erschienen:

Apr. 2008

Kritiker:

cronn

Typ:

DVD

 

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