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Laya

Adversus

Rezension von jpk

Recht schnell nach dem Erscheinen bekomme ich die langersehnte EP von Adversus (www.adversus.de) in die Hände. Fünf Tracks sind auf dem Tonträger zusammen mit dem Live-Video "Deiner Schönheit gewahr" (welches sich in schlechterer Qualität auch auf YouTube.com finden lässt). Das Video ist filmtechnisch kein Meisterwerk. Es zeichnet das Geschehen am 27. Mai 2006 in der Krone in Darmstadt auf, nicht mehr aber auch nicht weniger. Es bleibt nüchtern, leider etwas zurückhaltend, doch die Musik macht die Unzulänglichkeit betreffend Beleuchtung und Kamera wiederum wett. Es macht Lust auf ein echtes Live-Erlebnis mit der Band und ist ein nettes Beiwerk, um eine EP mit Inhalt aufzuwerten.

Der Silberling dreht sich jedoch nicht um das Video, wenn es auch das erste Ziel eines Vielklickers wie meiner einer ist, sondern um die titelgebende Ballade vom schwarzen Stein "Laya", welche das Booklet ziert. Diese zählt die Nummer drei in der Reihenfolge und verschönt 14 Minuten unserer Lebenszeit. Angekündigt wie eine Moritat hat sie tatsächlich eine gewisse Anlehnung an die zur Drehleier gesungenen Balladen über Mordtaten, doch sitzt hier nicht Mariechen weinend im Garten, sondern ein Naturgeist, ein Succubus, über den Leichnam eines Landsknecht, den sie verführt, verflucht und doch geliebt. Die Musik ist mittelalterlich angehaucht und das Grundthema ist typisch für die melodisch-romantische Seite von Adversus. Die Umsetzung ist abwechslungsreich gelungen, ein Kompliment an die Produktion und das gelungene Arrangement des Stücks. Es ist nicht trivial, eine Ballade von dieser Länge so mit Musik und Instrumenten zu besetzen, dass sie sich nicht gegen den Text in den Vordergrund drängen und trotzdem unterhalten. So hören wir verschiedene Instrumente im Hintergrund auftreten - unser Ohr zu wecken - oder beispielsweise Gitarre oder Piano das Hauptthema übernehmen. Besonders ruhige Phasen mit zupfenden Seiten und bombastische Klangfülle mit Pauken wechseln sich ab und beschäftigen das Ohr. Der Text wird von den Leadsängern Aysel und Rosendorn in einem sauberen, klar verständlichen Duett vorgetragen. Es entgeht kein Wort und die romantische Geschichte entfaltet sich im Kopf des Zuhörers. Jene zeigt neue Aspekte in den altbekannten Märchen und Gruselgeschichten des verführerischen Geisterwesens, das es auf die Seele der Männer abgesehen hat. So erwischt das arme Geschöpf die Liebe und verdammt es zu ewigem Leid, da sie den Geliebten selbst zum Tode verdammte.

Die EP beginnt mit einem Intro "Verschlungene Pfade" und wer sich dabei im Wald glaubt, der ist richtig, denn die fast zwei Minuten sollen die Zuhörer aus ihrer Realität in die Welt der Töne und Geschichten von Adversus holen. Eine nette Art, die Lauscher dort abzuholen, wo sie sich meist nicht befinden wollen.

Der zweite Track "Der Wind auf den Feldern" ist eine Übertragung des irischen Rebellenliedes "The Wind That Shakes the Barley" (welches Ken Loach und Paul Laverty zu ihrem gleichnamigen, berechtigt mit der goldenen Palme gelobten Film inspiriert hat). Das Original ist ein Reel von Robert Dwyer Joyce (1836-1883), den kann man interpretiert von Planxty (ganz gut), den Chieftains (wenn es sein muss), The Irish Rovers (nur gegen meine ausdrückliche Warnung) oder Dead can Dance (absolute a capella Spitzenklasse - geht tief unter die Haut) hören.
Der Text ist recht frei übersetzt, allerdings ist der Bezug zu der Schlacht von Oulart Hill (27.05.1798) auch wirklich nicht aktuell und Rosendorn tat gut daran, den irischen Touch von dem Lied zu nehmen. Leider ging das Besondere an dem grünen Gerstenkorn (barley) dabei unter, das von Sympathisanten auf die Massengräber der getöteten Rebellen gepflanzt wurde und das ewige Nachwachsen des Widerstands symbolisieren sollte. Abgesehen davon ist der Text sehr gut gelungen und die musikalische Untermalung in der Adversus typischen Weise ebenfalls angenehm hörbar. Auch wenn man am Anfang laut "Koyaanisqatsi" rufen will, so wird das von Assoziation verwirrte Ohr schnell wieder in die Adversus-Klangmischung zwischen virtuos gespielten Streichinstrumenten und trashigem industrial Synthorythmen geholt, über dem gehaltvoller Gesang sich abspielt. Und dann ist da plötzlich die Klarinette, welche eine Kaskade von kleinen Soloparts ankündigt. Komplex und eingängig zugleich.

Das Gedicht "Winterdämmerung" von Georg Trakl an Max von Esterle vertonte Adversus unter dem eigenen Titel "Krähen im Gewölk". Das Trakl zum Spektrum von Adversus gehört scheint unvermeidbar, zeigt er ein schwarze emotionale Tiefe, die schließlich zerbrochen am Leiden seiner Zeit zu seinem Freitod führte. Eingerahmt durch die Choräle von Alexander Agricola (15. Jhd.) kann sich die Sopranstimme von Aysel perfekt entfalten. Eine einfache und sanft im Hintergrund gehaltene Musik mit angenehmen Improvisationen begleitet die tragisch-traurigen Zeilen.

Den Abschluss der EP bildet das Lied "Seelenwinter" - der Titel begleitet die Band seitdem er als Track 14 auf der Compilation "Sonic-Xperience" 2002 erschien. Die "Lagerfeuer Version" auf der Laya EP vernehmen wir ohne elektronische Instrumente und auch "unplugged" überzeugen Adversus - wen wunderts, begingen sie ehemals akustisch ihre Auftritte. Neun Minuten dauert das Hörvergnügen und was die Akustikversion an Rockigkeit verliert, gewinnt sie im Vergleich an Deutlichkeit bei der Gesangsdarbietung und der Text wird mit Klarheit an den Zuhörer gebracht. Der Vortrag der Instrumente bringt jedoch eine erstaunliche Leichtigkeit mit, die das Lied zum Teil fast unpassend heiter erscheinen lässt.

Die EP von Adversus ist kein typisches Exemplar dieser seltsamen Zwitter zwischen Single und Album, die eine Wartezeit zu einem bald darauf folgende Album überbrücken sollen, sondern tatsächlich ein kleines Minialbum. Die Ballade vom schwarzen Stein fordert ein fast eigenständiges Erscheinen auf einer Single, doch wird sie angenehm flankiert von zwei Tracks, die wunderbar dazu passen. Dazu noch ein passenden Intro und auch das Extraschmankerl Seelenwinter ist dem Timbre der Ballade angepasst.

Umfasst wird der Silberling mit einem schön aufgemachten Booklet, das alle Texte enthält und als Cover ein Werk des Malers Rosendorn ziert, das der Ballade zugeordnet ist. Ein solches Booklet wertet das Produkt stark auf und ist lobenswert informativ.

Das Musikprodukt "Laya" von Adversus ist absolut empfehlenswert und wird für die meisten Hörer weitaus eingängiger sein als die bisherigen Produktionen der Band, weil weitaus sanfter und melodischer. Da Adversus dabei gleichzeitig an musikalischer und technischer Qualität gewinnt, kann man als Freund der härteren Gangart dies als Kompensation verbuchen. Wie eine sehr gute EP macht auch das Adversus Produkt Lust auf viel mehr. Obwohl es nicht als Appetizer gedacht war, lässt es mich doch in Unrast warten auf das nächste Album, ich hab keine Wahl.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(keine Angabe)

Spannung:

(keine Angabe)

Brutalität:

(keine Angabe)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Adversus

Verlag:

Sonorium

Erschienen:

Apr. 2007

Kritiker:

jpk

Typ:

CD

 

Adversus

 

Adversus begann als Projekt des Künsterls Rosendorn 1997 und wurde im Jahre 2000 öffentlich mit dem Demo "Ein erster Funke" zusammen mit Susanne Stitz (Mezzosopran) [mehr]

 

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