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Josaphat Peabody geht fischen

Boman, Patrick

Rezension von Claus Kerkhoff
Aus der Reihe "Josaphat Peabody"

Das ist mein erster Fall von Kannibalismus, dabei habe ich vierzig Jahre Hindustan auf dem Buckel. Will heißen, man kann sich nie ganz sicher sein. Vor allem nicht in Fragen des Geschmacks.

Südindien, genauer Port Albert, ein kleiner Fischerort am indischen Ozean, um 1900. Indien war damals noch eine britische Kronkolonie. Josephat Peabody, Inspektor der englischen Krone, ist in dieses gottverlassene Fischerdorf strafversetzt worden, weil er am Hofe des Maharadschas sein freches Mundwerk nicht zügeln konnte. Dieses Schicksal teilt er mit dem Steuereinnehmer Reginald Battersbury Woods und dessen frustrierten Gemahlin. Weitere Engländer vor Ort sind der gesundheitsbewusste und asketische Richter Frazier sowie der irische Missionar Father O´Reilly, der den Genüssen des Lebens so gar nicht abgeneigt ist.
Die Hitze in Port Albert ist unerträglich. Peabody, der 250 Pfund auf die Waage bringt, scheut deshalb unnötige Bewegungen und verbringt lieber die heiße Zeit des Tages auf der Veranda des Waterloo-Hotels mit der geliebten Lektüre von Piratenromanen. Doch dann geschieht ein grausiger Mord und Peabody muss ermitteln – auf seine Art, wie sich versteht.

Der indische Rechtsanwalt Shantidas wurde tot in seiner Villa aufgefunden - gefoltert, mit kreuzartigen Schnitten auf der Brust und mit einem der Länge nach aufgeschlitztem Penis. Besonders grausiges Detail: der Penis wurde teilweise gegessen. War dieser Mord ein Ritualmord? Scheinbar weisen die Spuren zunächst auf die Einheimischen, dann aber auf einen der wenigen Engländer am Ort. Der Rechtsanwalt hatte beste Verbindungen zu regionalen Gaunerbanden, betätigte sich aber auch als Abzocker und Erpresser. Was hatte Shantidas gegen einen der Ingiriss in der Hand, dass sich dieser nur noch mit Mord behelfen wusste? Längst ahnt Peabody, in welche Richtung er zu ermitteln hat und wirft sein Netz aus.

In seinem Roman „Josaphat Peabody geht fischen“ lässt Patrick Boman seinen Inspektor ganz im Sinne der klassischen Whodunnits scheinbar im Trüben fischen, schickt ihn in vermeintliche Sackgassen, die am Schluss jedoch allesamt wichtig sind. Josaphat Peabody ermittelt wider Willen, er besitzt einen scharfen Verstand und seine Ermittlungsmethoden sind keineswegs zimperlich. Seine Recherchen bringen einige dunkle Geheimnisse seiner Landsleute ans Tageslicht. Peabody ist dann auch mal bereit für einen Beischlaf, die kleineren Sünden zu vergessen.
Boman erzählt diese Geschichte spannend, pointiert und höchst unterhaltsam. Er hat ein sicheres Gespür für absurde Situationen und Zwischentöne. Ein schönes Beispiel hierfür ist die Szene, als Peabody auf eine Palme klettert, um Schmuggler zu beobachten. Er klettert immer höher und höher, doch diese neigt sich immer tiefer und tiefer, und setzt ihn schließlich wie „eine monströse Frucht von mondiger Rundung in einer bauchigen schwarzen Holzbarke ab, die nach Zimt, Gewürznelken und Tierkot roch.“ Eben die Holzbarke, die er ursprünglich beobachten wollte.

Inspektor Josaphat Peabody ist dabei eine eigenwillige und interessante Figur. Er ist respektlos, nimmt die britische Kolonialhierarchie nicht ernst, besitzt einen Haufen Vorurteile, die trotz allem seine Ermittlungen nicht behindern, kennt keine falsche Bescheidenheit und schreckt auch vor derben Späßen nicht zurück. Als neue Nonnen in der Missionsstation eintreffen, ist es Peabody ein großes Vergnügen, ihnen in einem Vortrag den Hinduismus nahe zu bringen. „Die Grundidee ist die, dass es Phallus und Phallus gibt ...“ Die empörten Nonnen verstehen da gar keinen Spaß und zerren ihn am Schluss fast von der Bühne. Auch die schöne Schwester Mary, die kurz nach ihrer Ankunft in Port Albert vergewaltigt wird, ist ein Objekt seiner besonderen Begierden, und Peabody scheut keine Mittel ihr nahe zu sein – ohne Rücksicht darauf, sich maximal lächerlich zu machen.
Manche Späße sind Patrick Boman etwas derb geraten und es ist sicher Geschmackssache, ob man diese als abgeschmackt oder einfach als absurd und respektlos empfindet. Jedoch Peabody und die anderen Figuren sind erkennbar keine realistischen Figuren. Borman überzeichnet seine Protagonisten und bringt sie in absurde, groteske Situationen - sehr zum Vergnügen des Lesers. „Josaphat Peabody geht fischen“ ist eine rundherum vergnügliche Kriminalgroteske. Zum Lesevergnügen trägt auch die gelungene Übersetzung von Regina Keil-Sagawe bei. Sie trifft den lockeren, leichten, unernsten Ton des Romans auf das Genaueste.

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Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(Entspannend)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Indien

Zeit:

1900

Serie:

Josaphat Peabody

Autor:

Boman, Patrick

Verlag:

zebu verlag, Frankfurt/Main

Erschienen:

Mar. 2004

Kritiker:

Claus Kerkhoff

ISBN:

3-937-66301-0

ISBN(13):

978-3-9376-630-2

EAN:

9783937663012

Typ:

Taschenbuch

 

Patrick Boman

 

Patrick Boman wurde 1948 als Kind eines schwedischen Vaters und einer französischen Mutter in Stockholm geboren. Er ist in Frankreich aufgewachsen, wo sich seine Eltern 1950 niederließen, und lebt in Paris [mehr]

 

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