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Harte Schnitte

Blettenberg, B. Detlef

Rezension von Jens Fleischhauer

Die deutsche Wiedervereinigung ist gerade ein Jahr her, da setzt die Handlung der Geschichte ein. Der Berliner Regisseur Daimler fliegt in die USA, genauer gesagt nach Key West um mit einem ehemaligen amerikanischen Soldaten zusammen zu arbeiten. Dieser soll Daimler einige Informationen für dessen neuen Film geben. Thematisch behandelt der Film den Nationalsozialismus und konkreter geht es um SS-Freudenhäuser, in denen die SS Mitglieder Kinder zeugen sollten. Also Zuchtstationen für arische Kinder.

Verständlich das einige Personen nicht all zu viel Interesse haben, dass dieses Thema in die Öffentlichkeit kommt. Es gibt viele Betroffene, die entweder an der „Produktion“ der Kinder beteiligt waren oder aber solche Kinder sind. Und wie nicht anders zu erwarten, gibt es auch die üblichen Alt- und Neonazis die eine Beschmutzung des deutschen Andenkens akzeptieren wollen.

Daimler sieht sich mehrerer Probleme gegenüber:
1. die Informationen sind spärlich und die Recherche aufwendig.
2. seine Geliebte hätte ihn lieber bei sich, er geht fremd und da seine Geliebte auch seine Produzentin ist, kommt es dort zu allerlei Konflikten
3. die Nazis machen Druck, zum Beispiel durch eine Autobombe die Daimler treffen sollte, aber „nur“ einen Bekannten erwischt.

Besonders der letzte Punkt führt dazu, dass Daimler negativ in den Medien erscheint, niemand ihm mehr zur Seite stehen will und thematisch im Roman die Vergangenheitsbewältigung der Deutschen aufgegriffen werden kann.

Soweit ein wenig zum Inhalt. Ich finde die Geschichte nicht sonderlich originell, wenn es auch interessant ist, wie Daimler seine Informationen in ein Drehbuch umsetzt. Ansonsten ist das Buch zu klischeehaft. Blacky, der sterbende Freund Daimlers, ist ein koksender Literat der sich gerne selbst in Szene setzt und äußerst egozentrisch wirkt. Dazu werden auch noch die Nazis sehr klischeehaft umgesetzt. Alle tragen Bomberjacken, Springerstiefel, sprechen mit dem Tonfall Hitlers oder haben einen Hitlerbart. Wow! So soll man sich also die ganzen Rechtsradikalen vorstellen. Wenn die wirklich so aussehen, dann ist es kein Wunder, dass viele Leute den Rechtsradikalismus leugnen können, wie oft sieht man den Personen die in obiges Schema passen? Nicht sehr oft. Außerdem wird wieder einmal pauschal der Begriff Skinhead für Nazis verwendet. Na prima. Da hat der Autor ganze Arbeit bei der Recherche geleistet und die Vergangenheit prima bewältigt, indem er stereotype Redewendungen aufgreift, die er nicht einmal hinterfragt. Bei einem Roman mit diesem Thema hätte man mehr erwarten können.

Leider kommt es häufig vor, dass Skinheads als Nazis bezeichnet werden. Das dies ein ziemlicher Unsinn ist, scheint leider kaum bekannt zu sein. Dem Autor wäre zu empfehlen, wenn er schon über die deutsche Vergangenheit schreibt und Nazis thematisiert, dass er sich auch einmal eingehend über Skinheads informiert, denen er einen großen Tritt in den Hintern verpasst, mit seiner Verwendung des Begriffs. Aber da will ich nicht weiter drauf eingehen, wer an dem Thema Interesse hat, kann leicht weitere Informationen finden, wie zum Beispiel im Internet bei wikipedia.

Stilistisch gefällt mir das Buch auch nicht sonderlich. Dauernd gibt es Sprünge in der Zeit, zwischen verschiedenen Orten und Personen, größtenteils weiß man nicht einmal, was das jetzt soll. Irgendwie sind dies zu viele Baustellen, auf denen im Buch gearbeitet wird. Dazu werden einfach mal drei Monate weggelassen in der Geschichte, die in ein paar Sätzen abgehandelt werden und das obwohl dies einige Bedeutung für die Geschichte gehabt hätte.
Spannung kommt dadurch nicht wirklich auf und die Story wirkt sehr zäh und zieht sich lange hin, ohne dass wirklich etwas passiert. Das ganze ist eine träge Handlung, mit einigen schönen Elementen, ganz gewiss, aber ohne wirklich herausragende Beschreibungen. Weder Personen, noch Orte werden plastisch beschrieben, noch gibt es irgendwelche wirklich spannenden Elemente.

Aus der Story wäre wirklich mehr heraus zu holen gewesen, leider wurde dies nicht gemacht. Es liegt nicht daran, dass der Stil so schlecht wäre, ein bisschen weniger hin und her Gehüpfe wäre zwar angebracht gewesen, aber im Großen und Ganzen ist das noch ertragbar. Es ist einfach der Stoff der nur angeschnitten, dann wieder fallen gelassen und schließlich wieder angeschnitten wird. Hier hätte man etwas stärker am Ball bleiben und nicht so viel Nebenhandlung einbetten sollen. Darunter leidet die Geschichte.

Warum wird sehr viel um Blacky herum erzählt, wenn es nur darauf ankommt, dass er mit der Autobombe in die Luft fliegt? Dazu müssen nicht vorher Seiten über Blacky gefüllt werden, in denen dieser den Anfang seines neuen Romans aufschreibt. Sollte das dazu dienen, die Berliner Künstlerszene wieder zu geben? Ich weiß es nicht. Es gibt auch viele andere Stellen, die so wirken, als ob sie Füllelemente wären.
Hätte man die Handlung geradlinig gehalten, wäre sie dem Stoff besser entgegen gekommen, gut das Buch wäre bestimmt auch nur halb so dick geworden.
Man kann es nehmen wie man will. Mir gefällt dieses ganze rumgehüpfe nicht, weil dadurch keine Spannung aufkommt. Man anderer mag dies natürlich anders sehen. Da das Buch aber eigentlich ein Krimi sein soll, finde ich es unpassend. Gäbe es nicht den Anspruch des Krimis, dann hätte ich auch weniger Einwände gehabt.

Somit muss man das Buch zweimal bewerten, einmal als Krimi und einfach als „ordinären“ Roman. Als Krimi finde ich es schlecht, als „ordinären“ Roman habe ich schon mehr gefallen, finde es aber dennoch zu stereotyp im Umgang mit den beschriebenen Personen. Ich kann das Buch nicht unbedingt weiterempfehlen, aber ganz davon abraten mag ich auch nicht, denn immerhin finde ich die Beschreibung von Key West schon ganz idyllisch, wenn auch wieder etwas stereotyp.

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Wertung

 

Gesamt:

(Mittel)

Anspruch:

(Entspannend)

Spannung:

(Langatmig)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Blettenberg, B. Detlef

Verlag:

Pendragon, Bielefeld

Erschienen:

Mar. 2005

Kritiker:

Jens Fleischhauer

ISBN:

3-865-32009-0

ISBN(13):

978-3-8653-200-4

EAN:

9783865320094

Typ:

Taschenbuch

 

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